Montag, 3. August 2015

Akkordarbeit versus Fair Trade

("Wegnehmen" ist was für Babys)

Die besten Mädchen der Welt werden in einigen Tagen eineinhalb Jahre jung.
Zeit für ein erstes Zwischenresümee?

Soviel hat sich verändert in den letzten 18 Monaten. Lediglich die Augenringe und die Rückenschmerzen sind gleich geblieben.

Mäusezähnchen 1 & 2 bereiten uns jeden Tag unendlich viel Arbeit und noch mehr Freude. An manchen Tagen auch anders herum.

In den letzten Tagen beobachte ich MZ1 (mittlerweile KEINEN Zentimeter mehr größer als MZ 2, ihr aber immer noch ganze 60 Sekunden in Lebenserfahrung voraus) immer wieder, wie sie mehr oder weniger fremden und (mir) mehr oder weniger sympathischen Jungs, spontan um den Hals fällt, sich fest an sie schmiegt und teilweise sogar versucht, die (Un-) Glücklichen zu küssen. Ja, KÜSSEN!

"Wie schnell doch die Zeit vergeht", denke ich mir in solchen Augenblicken. Die Objekte der klein-kindlichen Begierde (also die niedergeknutschten Buben) schwanken (auch in wortwörtlicher Hinsicht, dem Gewicht der kleinen Draufgängerin geschuldet) zwischen Überraschung und Überforderung. Es ist ja allgemein bekannt, dass sich Frauen schneller entwickeln. Aber muss gar es so schnell sein? (Ich selbst beispielsweise bin mit 15 Jahren noch nicht so ans andere Geschlecht „rangegangen“, wie meine (eine Minute) ältere Tochter das mit  ihren noch nicht einmal 18 Monaten tut!

Anderes Beispiel: Noch vor wenigen Wochen artete unser 14-tägiger Großeinkauf (im sehr viel günstigeren, deutschen Ausland – ja ich gebe es ungeniert zu, auch wenn mich viele Schweizer dafür hassen werden – aber irgendwo muss das Geld ja auch herkommen!) meist erst nach der Rückkehr zur ultimativen Katastrophe aus.

Die Mäusezähnchen stürzten sich dann wie die Geier auf die vielen Kisten und Tüten mit den Einkäufen, zertraten dies, zermanschten das, verschleppten jenes, verschütteten etwas anderes (siehe z.B. meinen Beitrag „Vorsicht Schlüpfrig“)  und hinterließen unter Garantie in jedem einzelnen Lebensmittel (vom eingepackten Baby Bel Käse bis zur ungeschälten, roten Zwiebel) ihre Bissspuren. Konsequent.

Oft hatten wir etliche Stunden, teilweise Tage nach dem Einkauf noch unsere Freude an den Folgen. (Ja, was liegt denn da ganz hinten unterm Sofa und stinkt unauffällig vor sich hin??? Wer hat denn zerbrochene Eier eingekauft? Wo ist denn eigentlich die Zahnpasta hingekommen, haben wir doch auch mitgenommen!!!)

Neu ist: Es gibt eine LIEFERKETTE!!! Der Papa lädt die Kisten, Kästen, Tüten und Taschen aus dem Auto, stellt sie in den Garten wo Mäusezähnchen 1 schon eifrigst bereit steht. Aber es wird nichts mehr zerdrückt, zerbissen und versteckt – nein! Produkt für Produkt wandert voller Tatendrang aus den Einkaufskörben direkt in die Hände von  MZ 2, welches wiederum emsig wie ein fleißiges Bienchen zwischen Terrasse und Küche hin und her wuselt und Zubringen für die Mama spielt, die alles nur noch in Kühlschrank, Gefrierfach oder Vorratsschrank räumen muss!

Kinderarbeit sagt ihr? Ja, vielleicht. Aber so geschäftig und stolz sieht man die vorbildhaften Muster-Engelchen sonst ganz, ganz selten. Sie fühlen sich so unglaublich wichtig und ja - sie helfen doch auch wirklich! Selbst wenn man sich an der Reihenfolge und Auswahl, dem Tempo der Zustellung oder der Transport-Art ("Möchtest du das groooße Glas wirklich unterm Arm tragen?" "Bitte das Joghurt nicht so feste drüüü..." – ...zu spät…) stören möchte, die Mäusezähnchen sind in dieser Zeit beschäftigt, bleiben im Blickfeld und stellen nichts an. Was will man mehr?

So gewissenhaft, folgsam und „bei der Sache“ sind sie eigentlich nur bei EINER anderen Gelegenheit: Wenn ich zu Tisch bitte. Während ich in der Küche noch das Essen zubereite, fällt irgendwann der Satz: “Setzt ihr euch bitte schon in eure Stühlchen, gleich gibt’s Essen.“ Und selbst wenn ich diesen Satz nur flüstern würde und dabei auch noch gegen die Wand sprechen, die Mädchen RENNEN ins Wohnzimmer, sind hyyyyyper-aufgeregt und eilig, suchen sich die beiden Stühlchen (die meist IRGENDWO in Wohn- oder Arbeitszimmer verstreut parkiert stehen) und setzen sich so schnell, wie IRGENDWIE möglich darauf. Ich habe es mehrfach heimlich beobachtet. So panisch nach einem Stuhl gerannt bin ich selbst früher höchstens auf Kindergeburtstagen, wo die „Reise nach Jerusalem“ gespielt wurde und dem Gewinner ein "kleines" Säckchen mit 5kg Gummibärchen winkte…

Ich muss dann nur noch die hungrige Meute auf ihren Stühlchen in Richtung Essplatz „fahren“, optimaler Weise in Blickrichtung Esstisch drehen, anschnallen und servieren. Tiptop!

Ärger hingegen bereitet immer noch das leidige Thema „Meins – Deins“, was man treffender mit „MEINS! MEINS! MEINS!“ beschreiben könnte. Ihr erinnert euch an die Möwen in „Findet Nemo“? Es sieht so aus und es klingt auch so, als wenn ein Schwarm gierig kreischender Möwen nach einem einzelnen, kleinen Clownfisch hackt.

Aber selbst hier zeigt sich eine Entwicklung. In Richtung Trade. Nicht Fair Trade, aber immer hin Trade. Das Objekt der Begierde (Gottseidank in diesem Fall kein blondes Büebli) wird nicht mehr einfach herzlos der Schwester entrissen (wie in den vergangenen Monaten üblich) – NEIN, es wird ihr SOGLEICH (quasi schon im Vorfeld geplant und genau vorbereitet) ein Ersatz überreicht! Ob sie diesen dann jeweils adäquat findet, sei dahingestellt. Aber immerhin! Es handelt sich hierbei, wie man bemerkt, schon lange nicht mehr um einfaches „Wegnehmen“. „Wegnehmen“ ist was für Babys, Kleinkinder TAUSCHEN!

Das Geschrei bleibt dasselbe…



Donnerstag, 16. Juli 2015

Applaus, Applaus


Wenn Mäusezähnchen 1 etwas, in ihren Augen, besonders Braves oder Bemerkenswertes vollbracht hat, schaut sie nach Vollbringen der Tat erst einmal Beifall heischend in die Runde, setzt dann ihr stolzestes Siegergrinsen auf und beginnt, sich selbst herzhaft zu applaudieren.

Wann haben WIR eigentlich aufgehört, stolz auf uns zu sein? Wer hat eigentlich in unseren Köpfen verankert, dass Eigenlob stänke und sogar Freundschaften koste? War es unsere langjährige Erfahrung?

Im Fall der Mäusezähnchen wirkt der Eigen-Applaus jedenfalls hochmotivierend. Besser als jeder selbsternannte Motivationsguru, der pro Stunde Beifall 300 Stutz kassiert. Es kann so einfach sein…

Es KANN so einfach sein. Muss es aber nicht. Ich zum Beispiel hab es im Moment nicht einfach. (Wobei man das „im Moment“ auch ersatzlos aus dem Satz streichen könnte.)

Es gibt NICHTS an Dummheiten, was dem doppelten Mäusezähnchen in den letzten Tagen nicht eingefallen wäre! Ich pfeife echt aus dem letzten Loch!
Ich schlafe sogar schon ein, (sogenannter Sekundenschlaf) während ein Kind auf mir herumsteigt (thai-massage-artig, wenig sanft) und das andere mich im Gesicht mit Bausteinen bearbeitet (nicht minder zimperlich).

Die letzten Tabu-Zonen (über 1,20 Greifhöhe) wurden gebrochen. Es wird sich munter vom Tisch bedient. Sei es mit Blumenvasen nebst Inhalt, Kaffeetassen (Gottseidank eh fast immer kalten Inhalts), Stiften und (meinen! wichtigen!!!) Unterlagen als Malpapier. Das gute am Zwilling-Sein: Es ist immer jemand zum Räuberleiter-Halten zur Stelle. Und bei jeder Aktion steckt jemand mit dir unter einer Decke!

Haben wir frische Pampers an, setzen wir uns eiliger ins Planschbecken als Mama bis Drei zählen kann. Sind wir nackig, sind wir schneller als die Feuerwehr zurück in der Wohnung und planschen enthusiastisch in Pfützen (Marke Eigenproduktion) oder erleichtern uns in die Bücherkiste („Einfach immer der Nase nach, Mama!“).
Verlust der letzten 14 Tage: Vier Bücher + weitere drei, die Planschbecken oder Badewanne zum Opfer gefallen sind.

Mäusezähnchen 2 hat es auch nicht leicht. Sie wird neuerdings mehrmals täglich und am besten rücklings von den überschwänglichen Umarmungen ihrer „großen“ Schwester (15 mm größer und 60 Sekunden älter immerhin) zu Boden gerungen und förmlich niedergeknutscht in überschäumender Geschwisterliebe. Das Resultat? Mindestens ein verzweifelt kreischendes und ein enttäuscht heulendes Kind…

Manchmal denke ich im Ernst, es haut mir bald den Vogel raus! Ich kann nicht mehr! Die beiden besten Mädchen der Welt sind so viel geschickter und flinker im Chaos- und Katastrophenschaffen, als ich es in der Schadensbegrenzung je sein werde!

Manchmal resigniere ich. Aber nur für 10 Minuten. Dann holt mich der Selbsterhaltungstrieb wieder ein, der Überlebensinstinkt flammt auf und ich kämpfe erneut… Gegen 17-monatige Zwillings-Windmühlen.
In dem Sinne: „Applaus, Applaus, Mami!“




 

Freitag, 10. Juli 2015

You say „Gubai“...


...and I say "Hello???"

Ich weiß nicht, ob ihr es schon wusstet, aber im Sandkasten fabriziert man heutzutage keine schnöden Kuchen mehr, im Sandkasten wird aktuell Haferbrei gekocht. War mir ebenfalls neu bis eben. Aber nun!

Ich befinde mich nämlich gerade auf einem Spielplatz. Der Luxus des Tages: Nur EINES der beiden Mäusezähnchen wärmt mir mein Knie und massiert mir aufgeweichte Reiswaffeln ins schwarze Sommerkleid.

Nummer 2 ist mit unserer neuen Babysitterin (einem härzigen 14-jährigen Mädchen, das nach Schulschluss ab und an "das Doppelte Mäusezähnchen" für zwei Stunden zum Spielen besucht) auf Spatzenjagd.

Die Spatzen ihrerseits sind wiederum auf der Jagd nach unseren Reiswaffeln. Hier schließt sich der Kreis und ich fühle mich langsam aber sicher, wie ein Komparse in Hitchcocks „Die Vögel“.

Ihr Hunger macht die gefiederten Freunde furchtlos und sie reissen uns das Zvieri regelrecht aus der Hand. Dass es hier was zu Futtern gibt, hat in der Zürcher Federcommunity scheinbar schnell die Runde gemacht und allmählich wird es gruselig auf dem fliederumrankten „Snack-Plateau“ in der Mitte des Spielplatzes.

Achso. Der Haferbrei. Ich war beim Haferbrei stehengeblieben. Der Haferbrei, den das Kind dieser extrem unsympathisch tönenden Mutter („Jean-Pascal, ich sage es nur noch einmal: Wenn du nochmal mit Sand wirfst, gehen wir SOOOO-FORT!!! nach Hause!“) seit geschätzt zwei Stunden aus Sand (in dem die Spatzen baden) zusammenpanscht, ist GARANTIERT:

Zuckerarm, glutenfrei, lactosefrei, fettarm und ganz sicher auch aus ökologisch erwirtschaftetem Vollkornhafer, von regionaler Herkunft - fair gehandelt. Mit Gütesiegel. Und blütenweißem, reinem Gewissen. Ein weiterer Luxus... Jean-Pascal weiß was er tut. Es bleibt ihm ja auch nichts anderes übrig... Dem Ärmsten.

Apropos Luxus: Mittlerweile sitze ich völlig kinderlos und zwillingsfrei unter den schattigen Fliederranken und kritzle vor mich hin. Die besten Mädchen der Welt graben währenddessen nach Gold. Oder Dinosaurierknochen. Oder Grundwasser. Oder dem Mittelpunkt der Erde. Nach irgendetwas jedenfalls, was sich tief in der Erde unter der Rutschbahn befinden muss.

Vielleicht finden sie ja was und wir werden reich und ich kann die Babysitterin adoptieren und sie muss nie mehr nach Hause oder in die Schule gehen und kann mindestens bis die Kleinen volljährig sind ganztags mit ihnen Sand spielen? Oder wenigstens buddeln sie was aus, was wir dem Nationalmuseum geben können?

Ich erwache aus meinem Tagtraum und mache mir klar, dass die Süßen im besten Fall vergessene, kaputtgespielte Sändeli-Sachen und schlechtesten Fall – Pfui Teufel – Kippen zu Tage fördern werden. Ich selbst habe heute schon zwei entsorgt und dabei noch nicht mal selbst geraucht!

Eigentlich, ja eigentlich, wollte ich euch jedoch etwas ganz anderes erzählen heute. (Sollten wir nämlich jetzt und hier doch noch etwas Bedeutendes aus dem Sand ausgraben, werdet ihr sowieso durch die Medien davon erfahren.)

Was ich mir noch von der Seele schreiben wollte, ist etwas, was seit einigen Tagen mein, mit grenzenloser Liebe zu meinen beiden Mädchen erfülltes Mutterherz, aufs Unerträglichste bedrückt und das Mutterglück aufs Grauenvollste betrübt: Die „Ersten drei Worte“ wurden gesprochen!

DIE „Ersten drei Worte“ sind vor einigen Tagen aus dem Mund von MZ2 (eine Minute jünger, 15 mm kleiner und ein paar hundert Gramm leichter als MZ 1) gepurzelt. Und purzeln seit diesem Tage auch in regelmäßigen Abständen, völlig belanglos anmutend und wie nebenbei - immer wieder und zu Mutters größtem Entsetzen - aus dem Mund der kleinen Sprachforscherin. Die drei ersten Wörter lauten ausgerechnet: „Trambahn“, „Flugzeug“ und „Goodbye“ (= „Gubai“)!!!

*Kreeeiiiiiiiiiischhhhhh* Ich bin noch nicht bereit zur Abnabelung! (Die erste – doppelte - Abnabelung liegt gerade mal 17 Monate zurück!) Ich kann nicht schon wieder loslassen! Es ist mir definitiv noch zu früh für einen Abschied! Ich habe Angst!

PS: Das letzte (dem Mami mit Abstand am meisten schmerzende) Wort der drei, nämlich: „Gubai“ „antwortet“ MZ2 auch immer in ihr bescheuertes, rotes, chinesisches Telefon-Spielzeug, das bedauerlicherweise nur auf Englisch mit ihr kommuniziert. Danke, Papa!






Dienstag, 7. Juli 2015

Gast oder Gar nicht

Juhuuuuuuu - mein erster Gastbeitrag wurde soeben veröffentlicht.
Bin ja schon ein kleines bisschen stolz drauf *rotwerd*.


http://www.beste-freundin-gesucht.de/magazin/gast-oder-gar-nicht/

Here
we are now. Da haben wir nun den Salat. Tolle Wurst und ganz großes Kino. Als nette Geste wurde mir angeboten, einen Gastbeitrag für eine hochfrequentierte Website zu verfassen und damit, nicht zuletzt auf meinen eigenen bescheidenen Blog aufmerksam zu machen.

Win-Win-Situation. Ende Gelände. Schach matt.

Hach, ja – mein eigener Blog. Ein zartes, junges Pflänzchen von erst wenigen Wochen Lebensdauer und so vielen bzw. eher wenigen Posts, dass man sie noch an den Fingerchen „der Zwillinge“, meiner Zwillinge (um die es sich im Blog auch dreht und wendet) abzählen kann.

Die besten beiden Mädchen der Welt ihrerseits wiederum haben ebenfalls noch sehr zarte, junge und daher recht kleine Fingerchen von gerade Mal 15 Monaten und genau zwanzig an der Zahl. Insgesamt. Ja, ich merke es selbst. Ich verliere mich in Nichtigkeiten und schweife ab. Natürlich haben sie zwanzig Finger. Wäre ja schlimm, wenn nicht.

Eigentlich wollte ich mir Gedanken zu dem Gastbeitrag machen, der einerseits für mich und meinen Blog eine grandiose Chance bieten könnte, andererseits natürlich ein sehr liebenswürdiges Angebot der „Gastgeberin“ darstellt. Mann, was bin ich nervös! Wie immer, wenn jemand anderer als ich selbst Erwartungen an mich stellt, leide ich unter massiven Ladehemmungen. Kognitive Verstopfung sozusagen. Keine weiteren Details, danke.

Dabei wäre die Gelegenheit gerade günstig. Ich habe mich auf der sonnenbeschienenen Terrasse im vogelbezwitscherten Garten niedergelassen und zwitschere gerade ein Bierchen, das ich dem Papa (Ups, peinlicher Verschreiber: Natürlich meine ich meinen Mann, den Vater der besten beiden Mädchen der Welt) aus dem Kühlschrank geklaut habe.

Beim Alkohol haben wir nämlich normalerweise eine strenge Gütertrennung vereinbart. Ihm das Bier, mir den Rest. Klingt unfair, ist es aber nicht. Denn er nennt immerhin ein kleineres Getränkegroßlager, welches mindestens die Hälfte der bayrischen Biere und schweizerischen Brauereierzeugnisse miteinander vereint, sein Eigen. Wie auch immer.


Jedenfalls habe ich ihn vor einer guten Stunde auf einen laaaaaaaaangen Spaziergang mit den weltbesten (und heute extrem schlechtgelaunten) Mädchen der Welt geschickt (er nennt es dramaturgisch: „abkommandiert“), mit der ebenso wahren wie banalen Begründung, ich sei einfach fix und alle und könne bald nicht mehr. (Letzteres ist mit Sicherheit unpräzise ausgedrückt, denn irgendetwas kann man ja immer noch. In jeder Lage. Und sei es schlafen, weinen oder eben biertrinkend auf der Terrasse sinnieren und dabei Sinnloses niederschreiben.)

Doch, es ist mir in der Tat auch aufgefallen. Wir sind wieder vom Thema abgekommen. Also im Grunde: ICH. Ich erinnere mich: Der Gastbeitrag. Harter Tobak. Krasser Stoff. Fette Sch****
Ich stehe der ganzen Angelegenheit so unvorstellbar jungfräulich gegenüber, dem nicht-zielgerichteten Schreiben für eine Zielgruppe, deren Konturen ich auch nur leise erahnen kann.
Unschuldig. Unbewandert. Unbedarft. Pfffft….

Wie ist das überhaupt – muss man sich denn, wenn man sich texterisch (wenn auch nur im Rahmen eines Gastbeitrages) auf einer fremden Plattform bewegt, komplett anders benehmen als „Zuhause“? Um den Gastgeber nicht zu blamieren und zu verärgern, die anderen Gäste nicht einzuschüchtern oder im schlimmsten Fall zu verscheuchen?

Erfordert diese Form von „Auftrag“ womöglich das vorhergehende Absolvieren eines Knigge-Kursus speziell für Schreiberlinge?

Also in MEINEM höchstpersönlichen, eigenen Blog (den ich ja noch nicht mal freiwillig und eigeninitiativ gestartet habe, sondern auf hartnäckiges Wünschen- naja, nennen wir es „Drängen“ – zahlreicher Mütter hin), kann ich mich total gehenlassen. „Die Sau rauslassen“ wie man so schön sagt.

Ich kann dort in ausgeleierten Jogginghosen (eine interessante Bezeichnung übrigens für ein Kleidungsstück, in dem ich nahezu ALLES außer Sport oder gar Jogging praktiziere) antanzen.
Nein, natürlich nicht „-tanzen“. Eher abhängen. Rumlungern. Durch die Gegend eiern. Whatever.
Wenn mir der Sinn danach steht (oder ich zu viel Bier gemopst habe), kann ich sogar ganz laut und ekelhaft rülpsen – und das vor allen Leuten!

Auf meiner eigenen Site kann ich (im übertragenen Sinne freilich) meine Schuhe anlassen oder ausziehen (ohne Rücksicht auf die Anwesenden) und die Füße schlechterzogen mitten auf dem Tisch platzieren. (Gerade im Moment: Auf dem Gartentisch!) In meinen eigenen schriftstellerischen Gefilden (es handelt sich allerdings mehr um Trash, denn um Prosa) sagt mir keiner, was ich zu tun oder zu lassen habe und wenn jemand pikiert guckt, klicke ich ihn eben weg.

In meinem Blog kann ich völlig ungeschminkt daherkommen (oder total kostümiert – wer merkt das schon?) und sogar meine Kontaktlinsen daheim lassen. Denn ich bin daheim. Ich kann lästern und schimpfen und jammern und winseln und motzen und mich unbeliebt machen und am Ende auch noch das letzte Stück Kuchen nehmen, ganz ohne mich für meine Gefräßigkeit zu schämen. Ihr versteht – ich spreche immer noch in Bildern… Wem es nicht gefällt, der hört eben auf zu lesen oder fängt besser erst gar nicht damit an. Ich werde es nie erfahren…

Beim Gastbeitrag ist das aber vielleicht alles ganz anders. Da muss ich vielleicht vorher unter die Dusche hüpfen, ein Kleidchen ohne Essensreste darauf anziehen und „gute Laune“ mitbringen?
Von diesen drei Bedingungen ist die erste noch die leichteste Übung für mich. (Und nur um das klarzustellen: Die Essensreste stammen zu 87,3% nicht von mir und meinen Tischmanieren, sondern von – ja, ihr wisst schon…)

Die besten beiden Mädchen der Welt sind übrigens zwischenzeitlich heimgekehrt. Durchgefroren – hatte der Papa (Oh nein, ich vergaß schon wieder: „Der Göttergatte“ also) denn keine Strick Jäckchen dabei? Klatschnass – hatte der Papa (Arghhh – „Der Herr Gemahl“) denn etwa nicht an die Wickeltasche gedacht? Ausgehungert – warum um Himmels Willen hat der Papa (…) denn kein „Zvieri“ eingepackt? Und mindestens so übellaunig wie bei ihrer Abfahrt!

Kommentar Papa/Ehemann: „DU hast uns ja so unvorbereitet aus dem Haus diktiert (!), wir sind förmlich geflohen!“ (Ich halte mich für wenig furchteinflößend und den vorherigen Kommentar für eine Ausrede.) Und ewig tobt der Elternkampf…

Früher (wir sind schon 10 Jahre lang ein Paar) konnte man sich ja wenigstens zeitweise aus dem Weg gehen. Heute bereut man es schon fünf Minuten, nachdem man den Partner zur Tür rausgejagt hat, weil man dann quasi Alleinerziehend mit zwei erziehungsresistenten Kleinkindern ist. Heavy! Nun kann ich nicht mehr wie damals, die Situation mindestens fünf Stunden, in besonders schweren Fällen bis zu fünf Tagen aussitzen, bevor ich das Handy zücke und um sofortige Rückkehr flehe.


Jaaaahaaaa, ich weiiiiheiiiß. Ich befinde mich erneut inmitten eines ungeschickten Ablenkungsmanövers. Ich rede, pardon – schreibe nun mal nicht gerne über Dinge, mit denen ich mich nicht auskenne. Gastbeiträge beispielsweise. Gastbeitrag, Baby – Gastbeitrag!

Was bringt man in dem (meinem) Fall am besten als Gastgeschenk mit? Ein paar hübsch verpackte Sätze? Einen Strauß bunter Worte in Zellophan? Einen selbstgemischten Buchstabensalat fürs Buffet? Ach Gott, ich bin so planlos. Planlos und langsam auch verzweifelt. Ich meine – im Ernst: Das mit der Eigenwerbung ist doch sowieso schon gründlich in die Hose gegangen. Und vielleicht – ja vielleicht, knallt mir die Gastgeberin letzten Endes ja doch noch die Tür (zu ihrem virtuellen Portal) vor der Nase zu.

Ich könnte es ihr nicht verübeln. Ich habe heute einfach nicht viel zu sagen. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte darum gebeten, ein Thema zugeteilt zu bekommen. Etwas Konkretes, an dem ich mich behutsam entlang formulieren und notfalls dran aufhängen kann. Sie erwiderte: „Schreib über dein Leben (unspektakulär!), deinen Alltag (völlig unspektakulär“), deine Beziehung (ihr ahnt es…), deine Kinder (ja!!! Spektakulär“ darum habe ich ihnen ja einen eigenen Blog zugedacht), irgendwas eben!“

Nun ja, ich möchte nicht überheblich wirken, aber „Irgendwas“ ist das hier ja schon geworden. Ein Rundumschlag. Nichts Halbes und erst recht nichts Ganzes. Mit vielen Worten nichts gesagt.


Ein Gastbeitrag eben. Gastbeitrag! Beim nächsten Mal wird’s besser. Ich schwöre!




Freitag, 3. Juli 2015

Rot-Weißes Sommerloch

Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, aber tatsächlich stellt sich dieses Jahr unerwarteter Weise eine Art Sommerloch bei uns ein. Ich kannte das bisher nur aus den Zusammenhängen mit Medien oder Politik. Wenn einige Wochen nichts Interessantes mehr im TV zu sehen war, nur Wiederholungen. (Wobei, wann WAR eigentlich das letzte Mal etwas Interessantes im TV zu sehen?) Oder wenn die Zeitungen nur noch halb so dick waren wie sonst und trotzdem voll mit irrelevantem Füllstoff.

Man möchte meinen, als Vollzeit-Mami von 16-monatigen Zwillingsmädels wäre arbeitstechnisch sowieso immer Hauptsaison: Das bisschen Haushalt macht sich eben nicht von allein, die Ansprüche der besten Mädchen der Welt werden mit dem fortschreitenden Entwicklungstand nicht gerade geringer – es sollte diese Art von Job also eigentlich keinen saisonalen Schwankungen unterworfen sein. Möchte man meinen, wie gesagt.
Aber irgendwie ist momentan doch alles ganz anders. Seit Mitte Juni ist gefühlt ganz Zürich im Sommermodus. Das Leben besteht nun aus Apéro und Badi, Grillieren, Festivals und Ferien. Vielleicht in die Toblerone-Berge zur Abkühlung… Möglicherweise auch nach Ägypten zum Schnorcheln. Destination ist eher Nebensache.

Jedenfalls herrscht in den überhitzten Räumen der Chrabbelgruppe im Moment ebenso gähnende, lähmende Hochsommer-Leere, wie in unserem wohnungs- und hausflurinternen Mami- und Kinder-Treff. Einfach niemand da! Alle ausgeflogen - im wahrsten Sinne des Wortes. Das ganze Planschbecken gehört den Mäusezähnchen allein, das ganze Kaffeegebäck dem Mami allein. (Das ist übrigens kein grammatikalischer Fehler, liebe nicht-schweizerischen Freunde - man sagt tatsächlich: "Das Mami")

Es ist still geworden. Mit der drückenden Hitze kam auch die Stille. Und die Entschleunigung. Gottseidank. Ansonsten hätte sich der Kreislauf auch über kurz oder lang in die Ferien verabschiedet. (Meine Rechtschreibprüfung hat was gegen die "Entschleunigung". Hat wohl noch nie davon gehört? Oder handelt es sich dabei etwa um ein "Unwort" der letzten Jahre?)

Die besten Mädchen der Welt setzen sich schon nach dem Aufstehen in den erfrischenden Sprühnebel vom Gartenschlauch. Rücken zum Wasser. Ausziehen muss man sie nicht, denn sie haben gar nichts an. Wenn - allen Umständen zum Trotz - doch einmal Besuch erscheint, dann tragen sie Pampers.
(Außer vielleicht es handelt sich um so überraschenden Besuch, wie unseren Hausmeister heute Vormittag, der plötzlich im nassgeschwitzten Unterhemd (wer kann es ihm verübeln?) - die Zigi im Mundwinkel, die Elektro-Sense in der Hand  -vorm Pool (und den nackigen, ebenso überraschten Hasenpupsen) stand und "Wotsch trimme?" grummelte.)


Tagsüber laufen sie eventuell ein paar Schritte die beiden. Auch um ihre neu gewonnene Fähigkeit nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. Vom Herumlümmeln auf den sonnigen Liegestühlen die zwei Meter weit bis ins kühlende Nass ihres Mini-Pools vielleicht. Oder vom kalten Buffet am Sofa-Tisch ins kühle, dunkle Schlafzimmer, ein bisschen Siesta halten – einmal quer durch die Wohnung immerhin – auf den ebenfalls angenehm kühlen Steinfliesen.

Der Rhythmus hat sich verändert. Man ist müder und schwerfälliger. Der Mittagsschlaf hat sich verlängert, die Spaziergänge gibt es kaum noch – die Hitze fordert ihren Tribut. Nebenbei sind die kleinen Sonnenanbeter noch mit der Produktion von Backenzähnen und der Massenvernichtung von Erdbeer-Glaces beschäftigt. Aber nur am Rande. Alles andere wäre viiiiiiiel zu anstrengend.


Und das Mami? Das Mami tupft sich die schwitzige Stirn, stellt ihre geschwollenen Füße ins wohltemperierte Poolwasser, serviert kühle Getränke, stockt das kalte Buffet von Zeit zu Zeit auf, unterbricht nervige Ameisenstraßen mit dem Wasserstrahl, jagt Mücken (auch die sind träge und darum leicht zu erwischen) und fischt zweifelhafte U-Boote aus dem Planschbecken.Das absolute Highlight der letzten Wochen war ein Höhepunkt des autoaggressiven Verhaltens meinerseits. Bei 36 Grad Außentemperatur habe ich mich von morgens bis nachts an den Herd/Backofen gestellt und im Akkord Guetzli (Schriftdeutsch: Plätzchen/Kekse) gebacken! Frohe Weihnachten allerseits! In weniger als 6 Monaten ist es wieder soweit.

Dachte mir wohl: „Wenn ich schon schwitzen muss, dann wenigstens richtig!“ Und das nicht nur wegen der Bullenhitze, sondern weil ich die beiden besten Mädchen der Welt parallel dazu nonstop zwischen Backstube (Vorsicht, heiß!) und Planschbecken (Kinder niemals unbeaufsichtigt lassen!) beaufsichtigen und unterhalten musste.


Außerdem hat sie die dritte Runde im Babysitter-Casting eingeläutet und führt Job-Interviews, beaufsichtigt „Probe-Spiel-Nachmittage“ und lädt geeignete Kandidaten/innen dann zum Recall ein. Ein mühseliges Unterfangen und ein undankbarer Zeitvertreib.

Und sie hat begonnen, Schnuller- und Kinderwagenketten zu basteln. In den Abendstunden dann. Für den bevorstehenden Babyboom im Freundeskreis. (Mein Gott, möchte ICH jetzt (!!!) NICHT schwanger sein oder gar gebären müssen!!!)

Sogar mein Blog macht grad Ferien. Ich weiß nicht, ob es einem von euch aufgefallen ist oder ob ihr selbst grad im Stand-By-Modus unter Palmen (oder Ventilatoren) dahinvegetiert und von nichts etwas mitbekommt. Zumal es ja auch nichts mitzubekommen gibt.





Dienstag, 23. Juni 2015

Who´s Who? Oder: Die Identifikations-Krise

Neulich kam der bayrische Nonno der beiden Mäusezähnchen zu Besuch zu uns ins rot-weiße Toblerone- und Raclette-Land. Warum der Opa „Nonno“ heißt, obwohl er aus dem blau-weißen München ist, ist eine komplizierte Geschichte, hat mit den Herkunfts- und Verwandtschaftsverhältnissen der Familie meines Mannes zu tun und dient UNS Erwachsenen als Unterscheidungsmerkmal. Kann ja nicht jeder „Opa“ heißen.

Die beiden besten Mädchen der Welt sind 16 Monate jung und nachdem sie seinerzeit aus nur EINER besonders frechen Eizelle (die zu Scherzen wie zum Beispiel einer unvorhergesehener Teilung aufgelegt war) entstanden sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich.

Jedenfalls fragte der Nonno nach überschwänglicher Begrüßung die beiden Schnullerbacken, die sich als Empfangskomitee auf ihren Bobby Cars aufgebaut hatten: „Wer ist denn Mäusezähnchen 1?“ (Natürlich fragte er nach dem wirklichen Namen von MZ 1). Beide Mädchen, breitgrinsend und wie aus der Pistole geschossen: „Daaaaaaaa!“. Leider war der Zeigefinger jeweils auf die Schwester gerichtet.


Der Nonno, leicht irritiert hatte zum Glück noch Trick 17 in der Hinterhand und erkundigte sich darum: „Wo ist denn Mäusezähnchen 2?“ (Ebenfalls benutzte er selbstverständlich den richtigen, den Mädchen bekannten Rufnamen). Kein Überlegen, kein Zögern seitens der kleinen Scherzkekse – wiederum lautete die Antwort: „Daaaaaaaaa!“ und die Mädchen zeigten voller Überzeugungskraft aufeinander.


Hätten wir das also geklärt gehabt... (Und ich wünsche den zukünftigen Lehrern unserer Mädchen jetzt schon viel Spaß und alles Gute mit den beiden im Unterricht!)


Ein weiteres Identifikations-Dilemma trat neulich bei einem unserer beliebten Ausflüge (ich schrieb bereits zu diesem Thema) auf. Und zwar begegneten die beiden besten Mädchen der Welt zum ersten Mal einer Katze ("äs Büsi", CH-dütsch – wir üben schon für die Kita) im „Real-Life“. Also nicht in der Kuscheltierli-Kischte, auch nicht im Bilderbuch und auch nicht aus sicherer Entfernung - angeschnallt im Kiwa, sondern Vis à Vis auf dem grünen Rasen.
Zunächst waren sowohl der Stubentiger als auch die beiden Mäusezähnchen höchst angetan voneinander und außerordentlich interessiert aneinander. Vorsichtig wurde sich gegenseitig beschnuppert und zaghaft berührt und der Mama (mir) ging das Herz auf ob dieser berührenden Szene. (Mama liebt, im Gegensatz zum Papa die Tiere und freut sich, wenn die MZ auch frühestmöglich Kontakt aufnehmen zur vierpfötigen Spezies).

Dann kam es zur folgenschweren Verwechslung: Mäusezähnchen 1, die von jeher die Forschere der beiden Lieblingskinder ist (sie war es auch, die die Fruchtblase seinerzeit zerstört hatte und Füße-Voraus den Ausgang suchte), erinnerte sich wohl an ihren chinesischen Roboter-Husky zu Hause. (Der Papa wiederum und im Gegensatz zur Mama, liebt chinesisches Roboter-Spielzeug, auch darüber berichtete ich bereits ausführlich…).

Langer Rede, kurzer Sinn: Der batteriebetriebenen Höllenmaschine daheim (hat auch ein Fell, vier Beine und 2 Augen) muss man kräftig auf den Popo hauen, damit sie anfängt, zu bellen und „Männchen“ zu machen bzw. mit dem Schwanz wedelt oder ein paar Schritte läuft.
Ja, die Mäusezähnchen wollten mir nicht glauben, dass auch das "Büsi" Gefühle hat. Wahrscheinlich wollte MZ 1 die Mietzekatze, wie gesagt, einfach zur Aktion animieren, indem sie ihr ordentlich den Hintern tätschelte  – auf alle Fälle ging es ziemlich ins Auge und das verärgerte Tier wischte dem überraschten Kind daher spontan Eine, bevor es sich beleidigt zwei Meter weiter wieder niederließ.
Da war der Ofen erstmal aus, zumindest für MZ 1, die gar nicht wusste, wie ihr geschehen war. Man könnte jetzt sagen, ich sei keine gute Mutter, hätte ich doch die kleine Maus vor dem bösen Tiger besser beschützen müssen.
Aber ich finde, gewisse Erfahrungen muss man selbst machen. Es ist ja nicht so, als hätte ich sie nicht mehrfach gewarnt und ihr gezeigt, wie man Katzen am besten und artgerecht krault. Und überhaupt ist doch der Papa Schuld, kauft er immer so unrealistisches, elektronisches Schrott-Spielzeug! Oder? Eben!!!
Was mir auch, nur nebenbei bemerkt, kürzlich erst aufgefallen ist: Mäusezähnchen 2 (also die 15 mm Kleinere und etwas Sanftere der beiden Lieblingsmädchen) intoniert gerne ihr Spiel. Und zwar macht momentan alles, was Räder dran hat - selbst, wenn es sich um ein Pferd („Rössli“ CH-dütsch) handelt: „Brrrrrmmmmmm“ und alles, was weich und plüschig ist: „Mama-Mama-Mama-Papa, Mama-Mama-Papa-Papa“, während es auf und ab hüpft.

Ob das ein Kompliment ist? Ich weiß es wirklich nicht...

Montag, 15. Juni 2015

Grillen mit Schweizer Ak´zent

Vorab nur kurz: Es soll im heutigen Beitrag NICHT um fleuchendes Krabbelgetier mit heimischem Dialekt gehen. Nicht vordergründig zumindest – immerhin kommen auch die kreuchenden Insekten nicht zu kurz (aber sie kommen auch nicht gut weg, Mundart hin oder her). Es geht um das Grillieren nach Zürcher Art.

Dem „gemeinen Zürcher“ seine Religion ist das Grillieren, sein Tempel ist der Grill (vom kleinen Einmal-Taschengrill bis hin zum balkonfüllenden Profigerät – alles ist erlaubt), dem Gott des Brutzel-Kultes wird alles geopfert und dargeboten, was die (hoffentlich zumindest) regionalen Schlachthöfe und der private Kühlschrank so hergeben. Saison ist immer. (Mindestens aber von März bis Oktober) Einen Anlass gibt es ebenfalls jederzeit.

Warum man „grillieren“ sagt? Ist eben so. Es heißt auch „parkieren“. Nicht etwa „parken“. Wir haben das begriffen und akzeptieren das. Wir haben es verinnerlicht. Wir hinterfragen es nicht mehr oder WENN - DANN nur im Kontext dieses Textes mit „multi-nationaler“ Zielgruppe.

Im Zuge dieses Akts der Auto-Integration (so nenne ich es mal, dass wir verstärkt versuchen, nicht mehr ganz so negativ als verhasste „Deutsche“ aufzufallen) haben wir es also am Samstag gewagt, und im familiären Kreise (Papa, Mama, das doppelte Mäusezähnchen) das Tempel-Ritual im Garten eröffnet.

Als ich unsere Wohnung vor eineinhalb Jahren (wenige Wochen vor der Geburt der beiden Mäusezähnchen) das erste Mal sah – man muss wissen, mein Mann war schon ein halbes Jahr zuvor ins grillierende Ausland vorgezogen, um seiner Frau, die zu dem Zeitpunkt schon 6 Arme, 6 Beine, 3 Köpfe und 3 Herzen ihr Eigen nannte, ein heimeliges Nest zu bauen – erkannte ich allen Ernstes den okkulten Stein-Tempel in unserem Garten NICHT als Grill. Ich fragte mich, leicht irritiert, welcher Sekte die Vormieter wohl angehört hatten und was sie in ihrem / unserem Garten unter dem Schein des Vollmondes schon so an diversen "Ritualen" praktiziert hätten.

Vergangenen Samstag war also DAS Datum (im Inka-Kalender nachzuschlagen) und es
 sollte demnach auch bei uns so weit sein. Nach Beschaffung (Schwyzerdütsch: "poschten") des zu opfernden, geweihten und bereits toten Fleisches, wurde erstmal der Opferstein ordentlich eingeräuchert. Und nicht nur der: Der Opferstein, der sakrale Tempel-Garten, die heilige Familie inklusive der Mäusezähnchen - die ordentlich was zu staunen hatten – war es doch ihr erstes Feuer-Zeremoniell, dem sie hautnah beiwohnen durften.

Eingeräuchert wurden übrigens auch die Nachbarn, die wir – neben all den bösen Geistern – sicher ebenfalls mit diesem „Reinigungs-Ritual“ ausgetrieben haben. Jedenfalls schloss sich ein Fenster nach dem anderen und alle Balkontüren über uns gingen zu – bestimmt hat dieser Teil des Integrationsaktes unsererseits schon bestens funktioniert, um uns bei den „Einheimischen“ beliebter zu machen…

Gegen 20.00 Uhr resignierte mein Mann, der Papa der Mäusezähnchen endlich. Er kapitulierte vor der Macht des Feuergottes, der sich einfach nicht rufen ließ – von uns Deutschen doch nicht!!! – und raste in letzter Minute noch zum „Jumbo“, Grillanzünder holen. (Ich hatte dazu schon beim Einkauf drei Stunden zuvor geraten, aber in alter Steinzeitmenschen-Manier war mein Mann der Überzeugung, den Feuergott allein durch seinen zündenden Funken beschwören und betören zu können.

Ich überspringe an dieser Stelle einige Stunden des anstrengenden und mühseligen Feuertanzes um die kalte Grillschnecke herum und darf freudig verkünden, dass die erste Bratwurst um 22.15 Uhr verspeist werden konnte. (Und zwar von meinem Mann. Den Kindern stieg nämlich bereits gegen 20.30 Uhr die ewige Vorfreude so zu Kopf, dass sie schnellstens in Bett gebracht werden mussten und ich persönlich hab´s bekanntlich nicht so mit der Zubereitung und dem Verzehr von "Leichenteilen". Auch nicht bei so einem spirituellen, nächtlichen Opferritual wie dem Unseren.)

Mein „Fleisch des Waldes“ in seiner Aluschale war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal lauwarm, geschweige denn grilliert, so dass ich es kurzerhand – keiner hat´s gesehen – im Backofen übergrillte (was einer Hostienschändung gefährlich nahekommt) und mir dann stilecht in der Nähe der Glut (die nach drei Stunden inbrünstiger Gebete endlich beharrlich vor sich hin glomm) einverleibte.

Zu so später Stunde gesellten sich dann auch Fledermäuse, Kröten, Eidechsen, Spinnen und manch andere ungebetene Gäste zu uns, so dass ich die transzendente Erfahrung des Weiteren dann lieber durch die sichere Glasscheibe der Küchentür mit meinem Mann teilte. Er fand das weniger romantisch – saß er doch mittlerweile ganz alleine an der Feuerstelle (so wie damals in der Steinzeit), aber ich hatte auch drinnen genug zu tun mit den Mücken und Waldkakerlaken (die ihren Verwandten, den Indikatoren für unhygienische Zustände, verblüffend ähnlich sehen), die mir ins Innere gefolgt waren.


Ich hatte es bereits mehrmals erwähnt. Ich lasse weder gerne für mich töten (weder Schweine, noch Rinder, noch Fische, noch Rehe, noch Hühner, noch Menschen), noch morde ich selbst – wenn es nicht unbedingt sein muss. (Ich weiß, es geschieht oft genug aus Bequemlichkeit, Unumgänglichkeit oder Inkonsequenz – Mücken und *Exfreunde sind da ein gutes Beispiel bei mir. Daher möchte ich mich gar nicht als Moral-Apostel aufspielen hier). So versuchte ich, die Waldkakerlake (sie ist völlig harmlos für Menschen, Lebensmittel & Co, aber ich kann sie trotzdem nicht leiden!!!) mit dem Glas-Trick zu beseitigen. Ihr wisst schon: Glas drüber, Postkarte drunter, wieder hinaus tragen.


Was dann passierte, tut mir wirklich unendlich Leid und immer noch in tiefstem Herzen regelrecht weh. Der wunderschöne Abend endete mit einer grausigen Enthauptung (der Waldkakerlake). Ich war zu langsam mit meinem Glas und trennte dem armen Tier tatsächlich zielgenau den Kopf ab. Der Schwyzer Grillier-Gott  war not amused ob meines Zucchetti-Opfers (für die Deutschen/Österreicher unter uns: Zucchini) aus dem Backofen, das kam einem doppelten Betrug nahe und er forderte auf SEINE Art doch noch ein Lebewesen von mir.

Wie ich mit dieser / meiner „Tat“ nun seelisch fertig werden soll und wie ich die Erinnerung an die dahinscheidende „Kaki-Laki“ (ich nenne sie so, denn wenn man Tiere, vor denen man sich gruselt "domestiziert, sollen sie an Schrecken verlieren), deren Innereien zum Hals herausquollen, während der Kopf mit den Fühlern noch am Zappeln war und der abgetrennte Rest sich krümmte, jemals verdrängen soll – bleibt wohl mein Problem. Außerdem komme ich sicher in die Hölle deswegen, sowas ist bekanntlich ganz schlecht fürs Karma.


* war nur Spaß, ihr kennt mich doch! (dafür bin ich viel zu feige)

 

Donnerstag, 11. Juni 2015

Babyschwümme 2.0

Es tröpfelet, es tröpfelet…
(nämlich aus der super-schicken Schwimmwindel in den Sitzkreis der Kleinkinderschwimmen-Vorstellungsrunde)
…der Obermüller chlöpfelet…
(er tippt sich vermutlich genervt an die Stirn und rollt mit den Augen, ob der skurrilen Zusammenkunft in der Warm-Badi)
Es rägelet, es rägelet…
(wie gut, dass wir hier sowieso alle früher oder später nass werden)
…der Obermüller sägelet…
(OH! MEIN! GOTT! Jetzt dreht der irre Obermüller total durch, Massaker im
Baby-Bad???)
Es güüsst, es güüsst…
(Ihr habt es erfasst: Noch mehr Wasser!)
Der Obermüller nüsst: HATSCHI!
(Und alle hier anwesenden Windelträger/innen werden innerhalb der nächsten
2-3 Tagen ebenfalls erkältet sein. Hatschi!)

Dennoch: Wer etwas auf sich hält, der darf beim Babyschwimmen nicht fehlen. Die aquatische Frühförderung steht ebenso auf der obligatorischen Baby-Agenda, wie etwa auch die Musikzwergli, die Chrabbelgruppe (frühzeitige PR-Maßnahmen), das Baby-Yoga und der Besuch der bilinguale Kita. Ohne geht nicht.

Ich bitte Sie – DAS sollte Ihnen Ihr Kind doch allemal wert sein???!!! *empörtes Stirnrunzeln meinerseits* Manchmal jedoch frage ich mich im Stillen und insgeheim, wie WIR damals eigentlich jemals halbwegs gesund und normal gedeihen konnten, ohne je in den Genuss auch nur eines der aktuellen, vielfältigen Unterhaltungsangebote für die Zielgruppe „U3“ gekommen zu sein. Oder ist das gar der Grund, warum aus uns "nichts Ordentliches" geworden ist? Oder nur aus einzelnen Auserwählten unter uns.


Ja, auch wir haben drei komplette Staffeln (à 8-12 Folgen) Baby-Seepferdchen mitgedreht. Die Zwillings-Meerjungfrauen bekamen die Schiffstaufe mit ca. 5 Monaten und jetzt, wo die besten Mädchen der Welt schon bald 16 Monate zählen, haben wir uns dazu entschieden, dass wir „ja eigentlich auch einfach privat ab und zu in die Badi könnten“ statt uns für den vierten Kurs anzumelden und es mit viel Glück doch gerade mal wieder zu einem Drittel der Termine zu schaffen.

Denkste! Natürlich gehen wir nicht „privat einfach mal so“ mit den Kindern zum Schwimmen. Kein einziges Mal waren wir bisher. Es gibt hierfür vielfältige Gründe, allen voran: Die Mama zeigt sich nicht gerne im Badeanzug. Die einzigen, vor denen ihr das nicht peinlich ist, sind: Die besten Mädchen der Welt. Im heimischen Planschbecken (wir pflegen es hier und heutzutage „Pool“ zu nennen), versteckt hinter dichten Gartenhecken.

Offizielle Begründung: Es fehlt uns einfach die Zeit und Gelegenheit (ich meinte: die Gelassenheit), die Sache mit dem Bad zu viert in Angriff zu nehmen. Jeder muss sich dabei ja vollständig (s)einem Kind widmen. Vom Anlegen der Schwimmwindel (wie ich sie hasse) bis zum Überwasserhalten des zugeteilten Kinderköpfchens… Meine Lieblingsausrede: „Es wäre einfach nicht dasselbe – mir würden die schönen Liedchen und Versli viel zu sehr fehlen.“

Mit Fingerli, mit Fingerli mit flache, flache Händli.
Mit Füschtli, mit Füschtli, mit Elleboge, Platsch. Platsch. Platsch.
(Alle Mamis sehen spätestens am Ende dieses Sing-Spiels allesamt aus wie bei einem Jubiläums-Meeting für traurige Clowns. Sehr traurige Clowns… Dem Make-Up nach zu urteilen jedenfalls.)

Und erst die herrliche Wickel-Landschaft in der total verdampften Sammelumkleide! Ein Traum. Ich bin in einer meiner früheren Erzählungen bereits auf die gummierten 4 Quadratmeter eingegangen, wo im Laufe so eines Babybadetags bis zu fünfzig kleine Wasserratten ihre Pampers gegen die Badewindel tauschen und umgekehrt, ihr Znüni und Zvieri drauf einnehmen und wieder auskötzeln, die Mamis und Papis geschäftig etliche Male mit ihren Käsefüßen drüber wuseln etc. pp. Man darf einfach nicht genauer drüber nachdenken. Sonst wird es schnell drastisch psychosomatisch.

In der Dusche geht das feucht-fröhliche Vergnügen folgendermaßen weiter:
Räge-Rägetröpfli, äs rägnet uf mis Chöpfli
(die Hälfte der Babys fängt an, um ihr Leben zu schreien)
wänns rägnet, werdet d’Blüemli nass, und alli Steindli uf dä Gass
(und auch die frischen Klamotten von Mami und Papi, die bereitgelegten Badetücher, die Badetasche,
die neuen Pampers…)
wänns rägnet, werdet d’Blüemli nass, und ali Steindli uf dä Gass!
(und die Maxi Cosis, Tragetücher, Kindersitze, Nuschelis, Jacken, Mützen, Zwieback, Babykeks und Co)
Im ersten Baby-Schwümme, wo wir quasi noch als blutige Anfänger aufkreuzten, war allerdings alles noch viel spektakulärer. Da mussten wir uns zu zehnt auf zwei Massageliegen im Physiotherapie-Raum parat machen und danach alle mit EINER Dusche im Rollstuhlfahrer-WC duschen. DAS war erst ein Spaß, sage ich euch!

Das mit Abstand Coolste allerdings an diesem ersten Kurs war das Schwimmbecken an sich. Es war zwar winzig – man stieg sich als Eltern(-teile) gegenseitig schon des Öfteren unangenehm auf die Füße, aber mir – mit meinen gigantischen 1,62 m Körpergröße - ging dafür das Wasser bis knapp unter die Nasenspitze. Das wäre per se kein Problem gewesen, kann ich doch schwimmen.

(Ich hätte schwimmen können, wenn das Becken nicht so winzig, babybieselwarm und mit zehn Personen extrem überfüllt gewesen wäre). ABER: Es geht ja darum, mit dem Kind diverse Übungen – im Idealfall hauptsächlich ÜBER der Wasseroberfläche - auszuführen. Und das gestaltete sich anstrengend, schwierig bis unmöglich.


Einige Eltern scheuen sich tatsächlich nicht, zuzugeben, dass sie ihren Sprössling zum Babyschwimmen angemeldet haben, weil der kleine Schatz/die kleine Maus danach immer so „nudelfertig“ ist und erst mal 3-5h durchratzt. Hat auch was…

Ich persönlich finde aber, „die Ruhe nach dem Sturm“ (also dann ab dem Anschnallen und Richtung Heimat zuckeln im Auto) wiegt die große Aufregung direkt nach dem Bad, wo sich die Kids (in unserem Fall zwei) nicht entscheiden können, ob sie zu durstig zum Schlafen, zu müde zum Trinken, zu hungrig zum durstig sein, zu warm zum Anziehen oder zum Abbrausen zu nass sind – und im Übermaß dieser extremen Sinnesreize dann pauschal einfach mal am Brüllen sind, nicht auf.


Ich denke, ich schließe nun mit diesen, meinen Impressionen. Möchte euch ja nicht eure wunderbaren eigenen Erfahrungen vermiesen (rückblickend und mit Distanz neigt man sowieso dazu, alles zu romantisieren) oder gar die Vorfreude aufs erste/nächste Mal ruinieren.

Der Erlebniswert ist hoch. Der Fun-Faktor (bei den Großen) eher so mittel.
Bei den Kleinen? Müsst ihr ausprobieren! In diesem Sinne:
"Sprüzte, sprütze, sprütze isch so schön!" oder doch lieber:
"Chumm mir schwümme drvo!" ?






Montag, 1. Juni 2015

Ratgeber – gut, um sich schlecht zu fühlen


Ja, ich gebe es zu. Auch ich habe mehr oder weniger heimlich diesen „laufenden Meter“ Gebrauchsanweisungen fürs Kind im Giftschrank stehen. Man möchte ja nichts falsch machen. Und mitreden können. Und sich nachher nicht vorwerfen lassen, man hätte sich nicht informiert.

Über die Frage, ob dieses Sammelsurium an (pseudo-)pädagogischer Literatur nun hilfreich ist im Umgang mit dem Wertvollsten, was wir überhaupt kennen – unseren Kindern nämlich – lässt sich, wie über alles andere erfahrungsgemäß auch, vortrefflich streiten.

Meine persönliche Einschätzung (die ich während meines etwa 22-monatigen Studiums der in der oben genannten Lektüren gewinnen konnte) lautet eindeutig: JEIN!

Auf der einen Seite mag es für die besorgte Mutter, die mehr oder weniger neu im Business – im Mami-Business – ist, durchaus von Vorteil sein, wenn sie liest, dass jede ihrer Fragen (die sie sich vielleicht nie zu fragen traute) und zwar vom sehnlichen Babywunsch bis zur dringend nötigen Abnabelung vom 35-jährigen Mutter-Söhnchen, bereits schon so oder so ähnlich gestellt und behandelt wurde.

Auf der anderen Seite kommt man als geplagte und gestresste Mutter auch irgendwann an den Punkt, wo man zwar sein eigenes Bett vor lauter Bücherstapeln: „Wie sag ich´s meinem Kind?“ und „Was will mein Kind mir damit sagen?“ und „Die Ruhezeiten sind von 20.00 Uhr – bis 8.00 Uhr, liebes Baby!“ sowie „Tausendundein Rezept – nur für MEIN Kind ist nichts dabei“  nicht mehr findet, aber trotzdem einsehen muss, dass selbst der modernste und schlaueste Pädagoge vor genau dem eigenen, brandaktuellen Problem kapituliert.

Im ersten Fall hat der Konsum der Ratgeber eine Art Selbsthilfegruppen-Charakter, anonymer Natur (noch diskreter als die AA sogar), im zweiten Fall bewirkt er eine deprimierte und verzweifelte Resignation, ein Gefühl, dass einem dann wohl keiner mehr helfen kann, wenn hier nicht mal mehr die Super Nanny weiter weiß… Man fühlt sich alleingelassen. Und zwar total.

Was einen richtig wütend machen kann ist, dass die meisten Leitfäden zwar im Titel und auf dem Waschzettel (also der Rückseite vom Buch) mit konkreter Hilfe oder Abhilfe (je nachdem, worum es geht) locken und prahlen, dann aber auf den 576 Seiten dazwischen nur steht, wie es NICHT geht.
Was man auf KEINEN FALL tun sollte. Womit man sein Kind nahezu seelisch misshandelt. Was die schwerwiegenden psychischen Konsequenzen sind, mit denen man bei dieser und jener NICHT ANZUWENDENDEN Erziehungsmethode beim jungen Erwachsenen (der einst das zu erziehende Kind war) rechnen muss…

Diese Ratgeber pfeffert man dann reichlich verunsichert, um kein Stück weiser als zuvor, in die Ecke, schämt sich eine Runde für die Gedanken und Ideen, die einem zuvor spontan und intuitiv zur Sache gekommen wären – gut, dass man sie noch nicht am „lebenden Objekt“ ausprobiert hat, sondern zuvor die Professoren und Doktoren zu Rate gezogen hat!!! – und fühlt sich, als wären einem Hände und Füße gebunden und man zudem noch vom Leitfaden höchstpersönlich geknebelt worden, nur ja nichts Verkehrtes zu seinem Sprössling zu sagen.

Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist – ich wohne, seitdem ich Mutter bin bzw. seit einem Monat bevor die beiden besten Mädchen der Welt vor 15 Monaten das Licht derselben erblickten, in der wunderschönen Schweiz.  Von daher kann ich nur von „hier“ (und sowieso wie immer nur von MIR) berichten:

Der GOTT der Schweizer Pädagogen, Erzieher, Hebammen, Lehrer, Mütter-und Väterberaterinnen (gibt es so etwas in Deutschland überhaupt?), Kinderärzte und Co heißt: REMO H. LARGO. In keinem (keinem!) Haushalt darf sein Werk „Babyjahre“ fehlen. Unglaublicher Weise gehört dieses Nachschlagwerk sogar zum regulären "Migros"-Sortiment! Wie es um „Kinderjahre“, „Jugendjahre“ und die anderen Bände des gleichnamigen Autors bestellt ist, kann ich (noch) nicht beurteilen. Ja, naja – darf ich hier eigentlich Rezensionen abgeben, so in aller Öffentlichkeit? Ich tu´s einfach mal. Ich persönlich (!) meine: Kann man kaufen/lesen, muss man aber nicht.

Ich selbst LIEBE ja diese „Elternbriefe“ (Herausgeber: Pro Juventute), die in der Schweiz vielerorts als Geschenk von den Gemeinden oder anderen Institutionen abgegeben und im ersten Lebensjahr des Kindes monatlich, danach in etwas größeren Intervallen den glücklichen Eltern gratis zugeschickt werden. Sie sind kurz, knapp und knackig, nett illustriert, befassen sich jeweils mit genau dem Alter und den Entwicklungsschritten des eigenen Kindes und haben irgendwie einen ganz eigenen Charme. Ich weiß nicht, ob sie mein Leben (oder das meiner Kinder) nachhaltig verbessern, aber ich lese sie gerne! Und ich sortiere sie sogar sorgsam in den dafür vorgesehenen Sammelordner. (Gibt es Vergleichbares eigentlich in Deutschland???)

In meinen Regalen (und Stapeln vor dem Bett) haben sich natürlich noch haufenweise anderer Nachschlagwerke angesammelt. Vom Hebammen-Wissen über die Kugelzeit und die Brutpflege, über die Besonderheiten im Zusammenhang mit dem doppelten Glück (wie es uns ereilt hat), über die sogenannte „Erst-Ausstattung“ (wie zu jedem Stichwort hier, könnte ich SEITENWEISE über Sinn und Unsinn berichten), medizinischer Beistand zur Pannenhilfe, spezielle Pflegehinweise (nur Handwäsche!) und Fütterungsempfehlungen (völlig für die Katz´ - is(s)t ja sowieso jedes Kind anders!), Phasen und Sprünge (absolutes Reizthema!!!), das Trotzalter (*seuuuuuuufz*), populäre psychologische Bestseller (hier hab ich Jesper Juul zu meinem Liebling erkoren, auch wenn ich seine „Hilfestellungen“ nicht immer konkret genug finde) und, und, und, und, und…

In Manches habe ich nur mal kurz reingelesen, anderes aufmerksam durchgeblättert. Das eine Buch von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen, das andere gleich nach den ersten fünf Sätzen wieder ad Acta gelegt. Den einen Ratgeber habe ich verinnerlicht, den anderen sofort der Altpapierverwertung zugeführt. Aus dem Einen zitiere ich, den anderen ziehe ich durch den Schmutz.
Ihr wisst, was ich meine….

Mein Fazit? Was soll ich sagen? Die Kinder halten sich sowieso nie daran, was in ihren Gebrauchsanleitungen steht! Und: Wir machen das schon alle halbwegs richtig so, zumindest hoffe ich das sehr!

 

Montag, 25. Mai 2015

Das tut weh!

Es geht heute um ein sensibles Thema, nahezu ein Tabu in unserer Gesellschaft.
Die Rede ist vom gerne totgeschwiegenen, mütterlichen Masochismus.
(Anti-Diskriminierungs-Autokorrektur: elterlicher Masochismus)
Noch nie davon gehört? Mag sein. Ich auch nicht. Aber es MUSS ihn geben. Der Beweise sind viele und andernfalls fällt mir absolut keine logische Erklärung dafür ein, warum die Menschheit noch nicht ausgestorben ist, sondern sich seit tausenden von Jahren – mehr oder weniger freiwillig (heutzutage mehr freiwillig) mit der Produktion und Aufzucht des Nachwuchses herumärgert. Herumschlägt. Beschäftigt. Vergnügt.


Die zartbesaiteten, empfindlicheren Gemüter und Seelen unter euch (es KANN sich also nicht um Mütter handeln) bitte ich explizit, an dieser Stelle jetzt und sofort das Lesen einzustellen. Am besten auch jene, die noch von der Familiengründung träumen. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Es wird sehr blutig werden!

Sprechen wir zum Beispiel von mir. Ich habe einen Prinzessin Lilli Fee-Ohrwurm, der mir fast den Verstand raubt und einen blauen Zeh, der mich noch vor vier Wochen kaum einen Schritt ohne schmerzverzerrte Gesichtszüge gehen ließ.

D
er nerv-tötende Ohrwurm kommt vom neuen Mittagsschlaf-Ritual der Mäusezähnchen, der Bluterguss (fällt der Zehennagel ab? Bleibt er dran? Es bleibt spannend…) kommt von einer Teeflasche, die mir vor einem knappen Monat Mäusezähnchen 2 aus Jux und Tollerei und beachtlicher Höhe auf den Fuß fallen hat lassen. Fallen hat lassen ist nicht korrekt. Ich neige dazu, die besten Mädchen der Welt in Schutz zu nehmen. Richtig ist: Geworfen hat. Voller Freude.
Unsere heimliche Neigung zeigt sich schon in den aller frühesten Anfängen unserer Mutterschaft. War der Zeugungsakt in wenigen Fällen eventuell noch schmerzfrei (siehe Blümchen-Sex), lassen die Beschwerden danach nicht allzu lange auf sich warten. In der Regel (Hahaha, was für eine grandiose Wortwahl in ausgerechnet diesem Zusammenhang! Dabei ist die Regel für die nächsten 9 – 20 Monate  garantiert das Einzige, was uns nicht mehr quält) beginnen die kleineren und größeren Wehwehchen doch schon nach wenigen Tagen, steigern sich von Schwangerschaftswoche zu Woche und finden ihren fulminanten Höhepunkt in der Geburt. (Das sind dann schon keine Wehwehchen mehr und die Art der Niederkunft – natürlich oder chirurgisch oder wie in meinem Fall: halb/halb – spielt eine eher untergeordnete Rolle auf der Schmerz-Skala.)

Nachdem ich darauf bereits in einem meiner vorherigen Beiträge detailliert eingegangen bin, werde ich dieses Thema nun großzügig überspringen, auch um keine alten Wunden aufzureißen. (Was bin ich heute wieder eloquent!). Wer mehr darüber erfahren möchte, darf sich jederzeit vertrauensvoll an mich wenden. (Hier ertönt nun aus dem OFF meine dreckige Mörder-Lache.)

Ja, es tut so gut, wenn der Schmerz nachlässt. Aber die Freude über die allmählich wieder verheilenden, unteren weiblichen Organe währt nur kurz. Bald schon ziehen andere Genüsse einher, steinharte, heiße Knubbel in den Brüsten, flammende, weil überbeanspruchte Brustwarzen, Penetration des Trommelfells durch 3-Monatskolliken (ist überholt diese Theorie – ich weiß; Die Reizüberflutung des Neugeborenen oder „Das fehlende vierte Trimester“ hört sich aber im Ausdruck durch kindliches Dauergebrüll auch nicht besser an), Folter durch permanenten Schlafentzug, das Ende der Sexualität im Besonderen (spätestens jetzt) und Paarbeziehung im Allgemeinen – man sieht nach und nach ein, dass die bisher sogenannten „Grundbedürfnisse“ weit überschätzt wurden.
Ich gehe davon aus, dass es sich bei Einlings-Müttern ähnlich verhält, entbehre allerdings jeglicher Erfahrung hierzu, da uns das Glück (die Schmerzen, die Anstrengung, die Angst, die (Über-) Beanspruchung und Co) gleich doppelt ereilte(n).
Man möchte meinen, nach den ersten durchgestandenen Monaten wäre man schmerztechnisch aus dem Gröbsten raus. Leider weit gefehlt, liebe Freunde. Nun beginnen sich unzählige Stunden maternaler, gekrümmter Haltung beim Säugen des Nachwuchses, sowie das endlose Herumtragen und Heben desselben langsam im Rücken bemerkbar zu machen. (Zwillinge? Kinder in nahem Altersabstand? Einfach die Stundenzahl mit dem Faktor 1,5 bzw. 2 multiplizieren.)
Und bisher - meine lieben Eltern, Noch-Nicht-Eltern und Niemals-Eltern-Werden-Wollende – bisher war das alles passiv von der Leibesfrucht, respektive vom Kind, verursachter Schmerz! Mehr oder weniger passiv. Das Kind hat zumindest (noch) nichts davon willentlich oder gar absichtlich hervorgerufen. Aber wartet nur! Das kommt früher noch als es euch lieb ist.
Spätestens im Laufe der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres werdet ihr um zahlreiche Haare ärmer, dafür aber Kratzer, Bisse und Erfahrungen reicher aus eurer Mutterschaft (Elternschaft) hervorgehen. Was uns nicht umbringt, macht uns stärker – so lautet die Devise! Und glaubt mir, die kleinen Engel finden zielsicher (und selbst schlafend) eure empfindlichsten Stellen – beliebte Angriffsziele sind Zahnfleisch, Zunge, Nasenschleimhaut und die Bindehaut des elterlichen Auges.
Die kleinen Folterknechte entwickeln ihre Methoden kontinuierlich und erschließen sich nach und nach auch die Welt der Werkzeuge. So werden zum Beispiel mütterlicher Ohrschmuck/Piercings schlichtweg im Handumdrehen und völlig narkosefrei entfernt, die Eltern mit ihrem eigenen Halsschmuck nahezu erwürgt, die Anwendung der Daumenschraube wird perfektioniert und aus Spaß oder Wut (die Emotionen liegen nie wieder so nah beieinander wie in diesem Alter) wird sich schon mal auf Hals/Gesicht der Mutter gesetzt und dieses dann (wenn sie nicht im Pampers-Mief erstickt ist) mit der flachen Hand/dem Schneebesen unsanft bearbeitet.
Als wenn all dies noch nicht genug wäre, produzieren die süßen Wonneproppen zudem die grausamsten Gerüche, die schrecklichsten Geräusche, veranstalten die brechreiz-erregendsten Experimente und haben bei alldem immer ein unfehlbares Gespür für den besten Moment.
Unsere Mäusezähnchen sind erst 15 Monate alt, aber ich hab mir sagen lassen, es würde ,mit der Zeit nicht besser werden. Im Gegenteil sogar. Die Schmerzen und Strapazen für die elterlichen Sinnesorgane verändern sich zwar kontinuierlich, von Phase zu Phase wird aber das Eine durch das Andere abgelöst und Zeit zum Aufatmen gibt es kaum.  Oft macht man drei Kreuze vor Dankbarkeit darüber, dass ein „Sprung“ (wie es im Fachjargon so treffend heißt) geschafft ist und weiß noch nicht, dass man soeben vom Regen in die Traufe gekommen ist.
Und wenn die körperlichen Schmerzen allmählich nachlassen und die Erinnerung daran nach und nach verblasst, dann liebe Freunde, DANN, dann denkt man entweder über ein weiteres niedliches Baby nach oder aber/und die elterlichen Schmerzen wandeln sich erneut und werden zunehmend seelischer Art. Schmerzen beim Blick aufs Konto, Abnabelungsschmerz, Trennungsschmerz, durchwachte Nächte, weil das Kind das erste Mal im Ferienlager oder im Ausgang ist, ständige Kopfschmerzen, weil das Kind „da jemanden kennengelernt hat“, und, und, und… Ich werde darüber berichten, sobald ich etwas mehr aus eigener Erfahrung dazu sagen kann.
Sind wir Mütter/Eltern nun wirklich Märtyrer oder gar Masochisten oder schlicht der rein biologischen Arterhaltung unterworfen? Warum tun wir uns das alles (und noch viel, viel mehr) sonst eigentlich an? Die Antwort ist so simpel, wie befriedigend:
Ganz einfach: Weil wir – trotz Allem – unsere Kinder – über Alles - lieben.

Sonntag, 24. Mai 2015

Vorsicht Schlüpfrig!

Alles fing damit an, dass Mäusezähnchen 2 beim samstäglichen Supermarkteinkauf überraschend von einem unerträglichen Hungergefühl überwältigt wurde und kurzerhand (also im wahrsten Sinne des Wortes "kurzer Hand") hinter sich in den überfüllten Einkaufswagen griff und begann, das nächstbeste Lebensmittel zu verspeisen.
Das nächstbeste Lebensmittel war ein halbes Pfund Butter. Es schien zu munden. Als ich den kleinen verzweifelten Mundraub nämlich entdeckte, fehlte schon ein beachtliches Stück und das Kind war noch am Essen. Ihr wisst ja – an so einer Samstagsnachmittagsdiscounterkassenschlange gerät man schon mal in Hektik beim DieSachenSchnnelleraufsBandschmeißenalsdieKassiererineinscannt.

Wenigstens: Der gröbste Hunger war fürs Erste gestillt und mein gewiefter Versuch, die Butter an der Kasse noch umzutauschen: „Irgendwas stimmt nicht hiermit – sieht aus, als wären da wirklich ZAHNSPUREN dran, das ist doch total eklig sowas!!!“ war misslungen.

Z
uhause rächte sich die anders geartete „Fettsucht“ dann in Form von Montezumas Rache (Diarrhoe für die Mediziner unter euch, Flitzekacke für diejenigen, die lieber in Bildern denken – ich meine, wir haben uns verstanden?) Jedenfalls waren der Papa und die Mama mit Gasmasken, Schutzanzügen, Feuerwehrschlauch und Mäusezähnchen 2 hinreichend ausgelastet, um Mäusezähnchen 1 notgedrungen zu ignorieren, welches sich derweil mit den – noch nicht geleerten – Einkaufskörben bestens amüsierte.

Vieles von dem, was sie vorfand, war verständlicherweise genau nach ihrem Geschmack (die Mäusezähnchen sind immerhin MAMAS Augensternchen und die MAMA hat ja unter dem starken Einfluss ihres eigenen guten Geschmackes eingekauft, Papa hat wie immer "nur" bezahlt) und wie es der Zufall wollte, entdeckte sie zwei wunderschöne große Flaschen, schleimigen, violetten und duftenden Inhalts, die sich auch noch ganz leicht öffnen ließen.

Vielleicht hatten sie auch die schrillenden Alarmglocken in ihrem süßen Näschen dazu getrieben, ein olfaktorisches Kontra-Programm zu dem der Schwester zu starten – wer weiß das schon, das Kind (MZ 1) spricht ja noch nicht. Die Schwester (MZ 2) übrigens auch nicht. Die besten Kinder der Welt sind gerade einmal 15 Monate alt – für diejenigen unter euch, die heute zum ersten Mal von uns lesen. Wobei MZ 1 ganze 60 Sekunden älter, 15 mm größer und etliche Dezibel lauter ist als MZ 2.

Zunächst verteilte MZ 1 also das eben entdeckte, wunderbar wohlriechende, wunderschön lilafarbene Gel nur in ihren Händen. *klatsch, klatsch, klatsch*. Dann schüttete sie einen wohldosierten kleinen See auf den Flurboden und verstrich das schillernde Zauberliquid (bitte von Kindern fernhalten!) emsig in ihrem Radius (soweit die Ärmchen reichen) im Kreis und den Schuhschrank hinauf.

Dann dachte sie sich wohl: „ Ach, was soll´s - wo wir schon dabei sind…!“, goss die restlichen 600 Milliliter des spaßigen Schleims auch noch dazu und erweiterte ihren Wirkungskreis, indem sie nun bäuchlings (vielleicht war sie beim emsigen Verstreichen auch einfach ausgerutscht) in ihrem Schlafanzug nebst Schlafsack im Kreis wischte und dabei den „Seifen-Engel“ machte.
Ihr kennt doch diese schönen Figuren, die man im Tiefschnee auf dem Rücken liegend durch das Öffnen und Schließen von Armen und Beinen – ähnlich einer „Hampelmann-Bewegung“ („Engel“ klingt indes viel schöner) – durch die Spuren, die sich abdrücken, bilden kann?


Als die Mama durch den übermächtig werdenden Lavendelduft und die verdächtige Stille endlich auf das Geschehen aufmerksam wurde, schlitterte sie MZ 1 sodann eiligst und in bester Eiskunstlauf-Manier, einen spitzen Schrei ausstoßend, entgegen. Bis zu diesem Abend wusste die Mama auch noch gar nicht, dass sie einen formvollendeten Spagat auf der Eis-, pardon - Seifenfläche auszuführen, in der Lage war. Sie hat es aber getan! Dank der besten Kinder der Welt wächst die Mama einfach nahezu täglich über sich hinaus.


Und die Mama sollte sich in ihrer Genialität sogar noch selbst übertreffen. Sie holte nämlich unter (ganz winzig-kleinen, harmlosen) Flüchen (ohne Altersbeschränkung!) alle Putzlappen, die der Putzschrank hergab hervor und begann, wie eine Wilde (die sie war) unter Zuhilfenahme von warmem Wasser, das flächendeckende Kunstwerk zu bearbeiten. Ganz. Tolle. Idee. (Könnte von mir sein und war es auch…)
Wisst ihr eigentlich, was eine Schaumparty ist?
Ja genau, normalerweise findet sowas in Diskotheken und im Bikini statt. Wir hatten das gestern schon. Bei uns Zuhause. In voller Montur. Kniehoch. Die Mädels hatten ihren Spaß. Immerhin. (Ich hingegen überlege schon wieder, in Zukunft auf die verhasste und altmodische, weil unhygienische Seife am Stück umzusteigen…)




Mittwoch, 20. Mai 2015

Du


Du warst schon bei mir, seit ich denken kann.
Ich kenne dich länger, als irgendjemanden auf dieser Welt.
Bei dir fühle ich mich immer in Sicherheit.
Wenn du in meiner Nähe bist, bin ich überall zu Hause.
Wenn du da bist, bin ich glücklich.
Du lachst am lautesten über meine Witze.
Du verstehst mich, ohne dass ich ein Wort sage.
Wenn ich dich höre, weiß ich, dass alles gut ist.
Mit dir an meiner Seite bin ich mutig.
Du tröstest mich, wenn ich traurig bin.
Du teilst alles mit mir, egal wie wenig du selbst hast.
Mit dir zu kuscheln ist wunderschön.
Wenn wir zusammen sind, kann uns nichts geschehen.
Mit dir gemeinsam gegen der Rest der Welt.
Stehst du neben mir, bin ich stark.
Spielst du mit mir, bin ich fröhlich.
Du bist der erste Mensch, den ich sehe, wenn ich meine Augen aufschlage.
Du bist der letzte Mensch, den ich sehe, bevor ich sie schließe.
Nur mit dir fühle ich mich ganz. Du bist meine beste Hälfte und ich deine.
Ich brauche dich. Ich hab´ dich so lieb. Ich werde immer für dich da sein.


Dein Zwilling.



Mittwochs-Tief (mit Schleife obendrauf)

Mein Wort zum Mittwoch lautet „Gähn“. Meine Augen werden von „Dontodent- Brush-Sticks“ am Zuklappen gehindert während ich mir diesen Text aus den Rippen leiere. Vor mir steht der vierte Kaffee des Vormittags. Mäusezähnchen 1 und 2 sind heute nach unserem morgendlichen, lustigen Planschvergnügen („Plansch-" für Drei, „-vergnügen“ für Zwei) schon vor 11.00 Uhr stehend K.O. gegangen und wollten freiwillig ins Bett.

Warum ich nicht die Gunst der Stunde nutze und mich ausruhe? Ich möchte mir was Gutes tun und endlich wieder bisschen für euch weiterschreiben? Nein, klingt so unehrlich. Hm… Vielleicht: Würde ich mich jetzt hinlegen, würde ich NIE WIEDER aufstehen! Ja, schon eher.

Und außerdem  spüren die Mäusezähnchen intuitiv, wenn sich ihre Mama „unbefugt“ tagsüber faul ins Bett legt und schlagen augenblicklich Alarm. Feuerwehr-Sirene 1 und 2 setzen ungefähr 10 Sekunden nach dem Schließen meiner Augen, um ebenfalls ca 10 Sekunden versetzt, nacheinander ein.

Warum die besten Mädchen der Welt heute so früh schon dermaßen erschöpft sind? Nein, das Bad vorhin war nicht zu heiß. „Ich bin doch kein Löli!“ (Sogar mein schwarzer Galgenhumor wandelt sich direkt proportional zum Grad meiner Müdigkeit langsam Richtung Schwyzerdütsch. Aber das ist gut so – schließlich möchte ich meine Mäuse auch noch verstehen, wenn sie mal anfangen zu sprechen und immerhin sind sie im Gegensatz zu mir waschechte Schweizerlein.)

Die Mäusezähnchen sind also an diesem Mittwochvormittag so „nudelfertig“
(da haben wir es wieder), weil sie die halbe Nacht an einer Überraschung für ihren Papa und ihre Mama gebastelt haben. Wahrscheinlich ein nachträgliches Mutter- und Vatertags Geschenk für uns. "Jööh, soo härzig!!!"
Ich hatte ehrlich gesagt so früh noch nicht mit einem Geschenk seitens der Kinder gerechnet. Weder so früh am Morgen, noch so früh im zarten Alter von 2 x 15 Monaten.

Unter dem Vorwand, Probleme beim Schlafen zu haben sind die Mäusezähnchen heute gegen 4.00 Uhr (MZ 1) und gegen 6.00 Uhr (MZ 2) nacheinander zu uns ins Elternbett gewandert.
Obwohl sie wirklich alles daran gesetzt haben, dass die Überraschung gelingt und sie sich partout nichts anmerken lassen wollten, konnte ich ihre Nervosität spüren. Mütter können das!

Vielleicht auch weil ich seit kurz vor 4.00 Uhr eh auch kein Auge mehr zu tun konnte. Ich war mit Händchenhalten, Flasche machen, Windelwechseln, mich totstellen und vielem mehr viel zu sehr beschäftigt, als dass ich hätte nochmal einschlafen können.


Das war natürlich Pech für die Mäusezähnchen, die ja Großes geplant hatten, was sie in meiner „Abwesenheit“ (im Land der Träume) erledigen mussten. Gegen 7.00 Uhr bin ich dann tatsächlich nochmal kurz weggenickt (trotz des Nachtlichtkabels, das mir um den Hals gewickelt wurde und trotz des Knäckebrots, das mir mehrfach ins Auge gestochen ward) und als ich erwachte, war die Überraschung perfekt!
Die Mäusezähnchen hatten liebevoll (schnell und leise wie die Heinzelmännchen) unser ganzes Schlafzimmer mit verschiedenen Geschenkpapierbahnen und Zellophan-Folien ausgelegt. So wunderschön! Wie das größte Geschenk, das ich jemals zu Gesicht bekam! Die Überraschung war total gelungen! Sogar der Crosstrainer (ihr habt mit ihm in meinem letzten Post bereits Bekanntschaft geschlossen) und das Bett waren verziert worden.
Weihnachten, Geburtstag, Ostern – wir hatten alles auf einmal und überall. Eigentlich stand dieser Mittwoch also unter einem guten Stern.

Wäre da bloß nicht dieses ewige „Gäääähn“…


Samstag, 16. Mai 2015

Satz mit X


Die Ernährung des Kleinkindes ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Beim Neugeborenen/Säugling hingegen ist es recht einfach: Entweder er/sie/es (das Baby) nimmt die Brust oder nicht oder er/sie/es trinkt den Schoppen oder eben nicht.

Für diejenigen unter euch, die mich noch nicht (oder nicht so gut) kennen – natürlich finde ich es gar nicht einfach. Ja, auch ich saß da mit 30 ml frischer, mühsam handgepresster Mumi ca 45 Minuten und flehte das frühgeborene und längst selig schlummernde Mäusezähnchen 1 (damals noch ohne Zähnchen) oder 2 an, doch noch EINEN Milliliter zu trinken. Am besten einen Milliliter für Mama, einen für Papa, einen für die Zwillingsschwester und einen jeweils für beide Omas und Opas…

Alle Tipps und Tricks habe ich durchexerziert. Anfeuern, hüpfen, tanzen, Witze erzählen… Sogar die Massage der Gesichtsmuskulatur (der des Kindes natürlich, was dachten Sie denn?) zur Anregung des natürlichen Saugreflexes. Das war ein Spaß sage ich euch – ein Spiel für die ganze Familie!

Und war dieser Fingerhut voll Milch endlich im Kind (im besten Fall wurden beide Kinder synchron „abgearbeitet“, kam er entweder in einem Schwall retour oder es war schon wieder Zeit für die nächste Mahlzeit. Zum Verzweifeln.

Ab dem 5. Oder 6. Monat brachen dann paradiesische Zeiten an – die Herausforderung bestand für die Elterntiere und die kommenden Monate nur noch darin, lieferwagenweise handelsübliche Babynahrung in Gläschen heranzuschaffen, zu öffnen, erhitzen und abwechselnd in den Mund von Mäusezähnchen 1 und 2 zu schaufeln. Abends einmal mit dem Hochdruckreiniger durchs Wohnzimmer gegangen und alle waren glücklich und zufrieden.

Die beiden besten Babys der Welt ernährten sich für ein knappes halbes Jahr nach dem Motto: „Und als sie sich durch ein Obst-Gläschen, zwei Getreide-Breie,
3 Bananen, 4 Kartoffeln in Spinat und 5 Karotten, fein püriert, gefuttert hatten, waren sie immer noch nicht satt“ (Die Raupe Nimmersatt).

Damals bestand mein größtes Problem darin, die Express-Betankung und Akkord-Löffelei in einem angemessenen Tempo durchzuführen, welches eben nicht den Zorn von Mäusezähnchen 1 oder 2 heraufbeschwor – denn die Rache würde schrecklich sein. Und vielleicht noch die umfangreiche Spurenbeseitigung nach dem großen Fressen - die war auch ein wenig zermürbend so als stundenweise Freizeitbeschäftigung. (Wer macht sich schon gerne die Hände schmutzig?)

Wir machen nun einen Zeitsprung: Die Engelchen sind nun 15 Monate alt und zu Gourmets vor dem Herrn mutiert. Vorbei mit Raupe Nimmersatt. Der wunderschöne Schmetterling ist wählerisch. Und launenhaft. Und wonach er sich heute verzehrt, das könnte er morgen schon hassen. Das ist dann eben Pech für den Papi, der 200 Kindermenüs „Wildlachs mit Karottenstreifen“ gebunkert hat, weil die Augensternchen ja nichts anderes mehr essen wollten. Ar***-Karte für Mama, die in langen Nachtschichten die gesamte  Gefriertruhe mit Brokkoli- und Blumenkohlröschen in Bechamel-Sauce befüllt hat. Wer will denn SOWAS???

Ja, zum Dank fliegt der Mutter das Selbstgekochte dann mit Schwung an die Birne oder im besten Fall noch an die Wand, wo es unschöne Flecken hinterlässt. Actionpaintings à la Jackson Pollock. Da kommt Freude auf.

Phasenweise, so scheint es – leben diese Kinder nur von Luft und Liebe allein. Das kann Wochen so gehen. Und zwischendrin (man traut sich ja schon fast nicht mehr, ihnen mit „Essbarem“ unter die Nase zu treten, verdrücken sie dann völlig unerwarteter Weise einen riesigen Berg von was auch immer. Als müssten sie sich für einen laaaaangen Winterschlaf rüsten oder nach wochenlanger schlangenhafter Enthaltung mal wieder ein Kaninchen nachschmeißen. Man wird einfach nicht schlau aus ihnen.

Einst dachte ich, ich hätte die ganze Angelegenheit durchschaut. Die Gleichung schien mir simpel:
Essen speziell für Kinder (gesund, mild gewürzt, zuckerarm, ballaststoffreich, vitaminreich, lauwarm, leicht zu kauen, biologisch und hochwertig) = BÄH!
Essen für jeden AUSSER den Kindern (fettig, scharf, sauer, süß, hart, eiskalt, aromatisiert, nicht immer sehr gesund und natürlich) = SUPER – Wollen wir!

Der Versuch, die Mäusezähnchen zu überlisten und mit großer (vorgespielter) Begeisterung selbst über ihre Mahlzeiten „herzufallen“, in der Hoffnung, dass sie die Neugier (oder der Futterneid) schon noch packte, schlug fehl. Ebenso die Zubereitung ähnlicher Speisen in modifizierter Form, speziell für die kleinen Besseresser.

Neulich hat mir Mäusezähnchen 1 den kompletten Spargel (und das war eine richtige Menge) von der Pizza (ja, das gibt es tatsächlich zu kaufen – Spargelpizza, der Hit der Saison!!!) geklaut. Also dachte ich (ich müsste es besser wissen!):
Aha, Spargel beliebt dem Kind!

Heute kochte ich also eigens Spargelspitzen nebst Hollandaise, Reis, Champignons und breiten Bohnen. FAILURE! Ich konnte das liebevoll und zeitaufwändig (da vielseitig) gekochte Mahl anschließend vollständig und leicht deprimiert vom Boden und vom Papa klauben.

Die besten Kinder der Welt zogen es heute vor, sich von Käsewürfeln und Knabberbrezeln zu ernähren. Und zwar ausschließlich. Die Damen gedachten zu „snacken“, wie man so schön sagt.
(mit im Test waren: Milch, Joghurt, Ei, allerlei gesundes Obst und Gemüse, sowie oben aufgeführte Hauptmahlzeit)

Damit die Mädchen übrigens einmal die Woche Fisch (Hahahaha – sag ich nur und zwar aus Erfahrung) und 1-2 mal die Woche Fleisch bekommen, obwohl ihre Mutter eine militante Verweigerin des Tierkadavers jeglicher Zubereitung ist, habe ich mich heute nach „Feierabend“ (und nachdem ich mir reichlich Mut in Form von Prosecco mit Minze und Zitronenmelisse – ja, auch ich bin ein Gourmet – angetrunken hatte) an die Zubereitung einer Bolognese, speziell für die Mäusezähnchen (die noch keine Vegetarier sind) gemacht.

Das wunderbare und glücklich verschiedene Bioschweinsrind habe ich mit Ringlein aus Frühlingszwiebeln, mit allerlei feinen Kräutern, sonnengereiften Tomaten und noch mehr Liebe geköchelt und eigens den Papa zum Abschmecken in die Küche zitiert.

Es ist, nebenbei bemerkt, eine extreme Überwindung für mich, Hack anzubraten – dieser Moment, in dem es von rosa zu grau metamorphosiert, dabei aussieht wie ein püriertes Gehirn und riecht wie eine Tierkörperverwertungsanstalt – feeeeeeiiiiiiiin!

Wir werden ja morgen sehen, was mir die beiden kleinen Restaurant-Kritiker morgen an Wertungspunkten auf der Skala zudenken.
Es bleibt auf jeden Fall spannend...