Donnerstag, 16. April 2015

Good Morning Sunshine - Hallo Wach!


Wenn ich wütend bin, hab´ ich am meisten Energie. Genau jetzt also. 5.00 Uhr früh.
Und nein – diesmal sind nicht die Zwillis schuld. Keiner von beiden. Mamas Augensternchen schlummern seit  sage und schreibe 10 Stunden kaputtgespielt und friedlich in – Überraschung – IHREN Bettchen!

Heute ist es der Göttergatte, der mich in den Wahnsinn treibt. Genau ER, der wissen sollte, wie dringend ich jede Minute Schlaf, den ich bekommen kann, habe. ER hat heute einen Termin in Frankfurt und muss in aller Herrgottsfrühe los zum Flughafen.
Das stinkt ihm. Und er teilt seine Gefühle gerne mit mir. Die meisten Frauen erträumen sich dies ein Leben lang vergebens.

Mein Traum hingegen endet heute um 4.30 Uhr jäh, als im Schlafzimmer die Apokalypse ausbricht. Und zwar in Form einer Armada aus Elektrogeräten. Drei Handys, ein Radio und ein Blackberry läuten im gesamten Raum verteilt das nahende Ende ein und summen, brummen, piepen, leuchten, blinken und dudeln um die Wette. (O-Ton vom Vorabend: „Ich hab´ so Angst, dass ich morgen früh nicht aufwache!“)
Diese Sorge stellt sich zumindest als unbegründet heraus. WIR! SIND! WACH! Und zwar so was von!
Zur Beruhigung nach diesem nächtlichen Schrecken muss jetzt erstmal eine halbe Stunde lang verträumt den Klassikern aus den 80ern im Radio gelauscht werden.

Der Frau, die bis zu diesem Zeitpunkt - was sowieso an ein Wunder grenzt- noch zurück in den wohlverdienten Schlaf gefunden hätte, muss nun ausgiebig der Kopf gestreichelt werden. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Kopfstreicheln. Ich liebe meinen Mann. Aber es macht mich gewissermaßen ärgerlich, dass ich seit Wochen, was sage ich Monaten vergeblich auf diese Art der Zuwendung warte und GENAU JETZT der Zeitpunkt gekommen sein soll. Ich bin undankbar. Und saumüde. Und stinksauer. Und saumüde. Ach, das hatten wir schon.

5.00 Uhr früh. Die Kinder schlafen. Ich schlafe. Pardon: Ich schlief! In mir brodelt es. Leider nicht vor Leidenschaft. Ich dachte, der Herr hätte es so verdammt eilig heute Morgen seinen Flieger zu erwischen?

Endlich. ER steht auf. Er betätigt alle Lichtschalter, die er überhaupt finden kann. ER sucht seine Kleidung, Unterlagen, diversen Kommunikationsgeräte in der gesamten Wohnung zusammen. Konnte ja auch keiner ahnen, dass er heute so unerwartet ganz früh raus muss. Er rumpelt in die Dusche. Es rumpelt in der Dusche. Wie auch immer – ich will SCHLAFEN! SOFORT! ER versucht seine Hose anzuziehen und schüttet dabei geschätzt 2 kg Münzen aus der Hosentasche auf den Boden. Das ist kein Problem, das finden die Kinder nachher alles wieder wenn sie aufgestanden sind und freuen sich wie die Schnitzel, wenn sie sich mit dem unverhofften Geldsegen die Backentaschen füllen.

Nun – in einem Anflug von Nächstenliebe (oder ist es doch milde Gnade) schließt der Gemahl nun die Schlafzimmertüre, so dass ich zumindest das Babyphone nicht mehr hören kann.  Das ist ein sehr guter Plan! Denn nach dieser Nacht (und etlichen ähnlichen zuvor) werde ich sicher wie ein Stein bis 12.00 Uhr Mittag durchschlafen. Wo war nochmal der Haken? Ach so, ja – die Kinder. Die beiden sind schon 14 Monate. Die werden sich doch ausnahmsweise einmal alleine wickeln und anziehen und sich ihre Milch wärmen? 14 Monate. Und zu zweit. Das müsste doch zu schaffen sein. In diesen Youtube Videos sah das total einfach aus. Und außerdem: Spätestens 21.00 Uhr ist der Papa ja dann auch wieder da.

Halleluja: HE has finally left the building. Allerdings nicht, ohne mich voll illuminiert im hell erleuchteten Schlafzimmer zurückzulassen… Bis eben hätte ich – mit viel Glück und mir wohlgesonnenen Töchtern – noch 2 Stunden Schlaf hamstern können und damit unter Umständen aus dieser unglückseligen Folge von vierstündigen Nächten und darauffolgenden Zombi-Tagen, an denen ich erst in der Trambahn merke, dass ich in Hausschuhen unterwegs bin, ausbrechen können.

Jetzt nicht mehr. Mir reißt endgültig der Geduldsfaden und wüste Schimpftiraden per WhatsApp versüßen meinem Liebsten den Weg zum Flughafen.

Als der gröbste Frust verklungen (bzw. versendet) ist, versuche ich mich nochmal einzurollen und wenigstens noch eine halbe Stunde zu entspannen. DAS war das Kommando fürs Babyphone (so ein hypermodernes SCH***teil!), das just in dem Moment – mal wieder – seinen Funkkontakt verloren hat und pieeept, pieeeeeeeeept, pieeeeeeeeeeeept.


So. Es reicht! Ich stehe jetzt  endgültig auf und stelle das nervenraubende, nutzlose Ding gleich bei der Mami Börse rein. Neiiiiiin, doch nicht meinen Maaaann! Obwohl?

Nachtrag: Es gelingt mir nach dem Verfassen dieses Textes tatsächlich wieder für ca 30 Minuten einzuschlafen und sogar die Kleinen hätten noch eine Weile zufrieden in ihrem Bettchen verharrt, hätte nicht – ja hätte nicht Punkt  8.00 Uhr der Hausmeister begonnen, ausgerechnet an der Rückwand des Kinderzimmers (Trockenraum) ohrenbetäubend zu bohren und die Engelchen (nach fast 13 h Schlaf!!!) in absolute Panik zu versetzen.