Donnerstag, 16. April 2015

Oh Happy Day - Familienausflug


Da wir wegen des neuen Autos noch eine Kleinigkeit am Zoll zu erledigen hatten, dachten wir, wir nutzen den sonnigen Feiertag gleich für einen relaxten Ausflug an den Bodensee.
In Konstanz spazieren gehen, Spielplatz, Biergarten, Schiff fahren – so was in der Art.


Die Laune war sagen wir mäßig – die Nacht davor noch mäßiger. Wie man eben schläft neben einem Presslufthammer, der die ganze Nacht durcharbeitet und im Ehebett liegt und  Kindern, die sogar im Schlaf mit den Zähnen kämpfen, die sie noch gar nicht haben. (Sind das dann eigentlich so etwas  ähnliches wie Phantomschmerzen?)

Auf dem Weg zum Auto hat Kind A (ehemals „führender Fetus“) die Initiative bzw. Flucht ergriffen und im Treppenhaus noch im „Vorbeigehen“  eben  das Lieblingsbuch des Nachbarkindes zerlegt. (Vermerk ans geplagte Mami-Hirn: „Abends Ente Nelly bei Amazon suchen“)

Im Auto halten die Kinder dann herzerwärmend und allerliebst gegenseitig Händchen und sind in weniger als 2 Minuten weggeratzt, um dann am Zoll, wo der Papi schnell die Kleinigkeit wegen des Wagens regeln muss, wieder fit zu sein.

Wir warten solange „kurz“ im Wagen. Was soll ich sagen – nach neunzig Minuten sind alle Lieder gesungen, alle mitgebrachten Spielsachen ausgespielt und der gesamte Tages-Proviant verspeist. Mama ist mehrmals quer durch die geräumige Familienkutsche geturnt (es lebe der wöchentliche Yoga-Kurs – ach HALT: da hab ich´s ja seit ´nem Monat nimmer hin geschafft) und hat sich fürs einjährige Publikum wahlweise zum Affen oder Kasperle gemacht.

Der Papi ist nicht zu sehen und telefonisch nicht zu erreichen, das Geduldslimit der Kinder ist längst gesprengt, Mami muss suuuuuper-dringend auf die Toilette (nach drei Kaffee, einem Coke Zero und einem Red Bull) und hat keinen Autoschlüssel. Natürlich nicht. Also Kinder in den Kiwa und auf die Suche nach dem Örtchen.

Auf der Behinderten-Toilette (woanders kommt man mit Zwillingswagen schlecht rein), rutscht dann – während Mama Pipi macht – Kind B, das keine Lust hat  noch länger zu warten als eben schon – einfach mal elegant unter ihrem Tischchen durch und um ein Haar in die große Pfütze, die sich vor der Kloschüssel befindet. Mama, die die große Pfütze bis eben noch für Wasser hielt (dann aber gemerkt hat, dass die Kloschüssel für Menschen um die 1,60 mindestens 30 cm zu hoch ist, um sich ohne Berührung derselben im Stehen hygienisch und diskret zu erleichtern), unterbricht ihren „Erleichterungsvorgang“ also sofort um das Kind noch im letzten Moment zu fangen und – Aaaaahhhhhhhhhhhhhh – SCH*****. Den Rest könnt ihr euch denken… Oder besser nicht.

Der Papa ist inzwischen unverrichteter Dinge aus dem Zollhäuschen zurückgekehrt. „Wir müssen schnell zum Autohaus in Friedrichshafen, nur eine Unterschrift fehlt noch“. Die Kinder werden wieder vorschriftsmäßig im Wagen verstaut – der Kinderwagen bleibt allerdings draußen und wird beinahe rückwärts vom geschäftig hetzenden Papa plattgemacht. Nicht so schlimm. Bald können die Kleinen ja eh selber gehen.

Auf dem Weg nach Friedrichshafen macht der Neuwagen dann erst mal auf der Fähre einen lustigen Hüpfer Richtung Vordermann, als der Papa mal kurz das Radio ausschalten will und dabei die Zündung betätigt. Kein Problem – wir haben die Kinder ja auf dem Schoß und halten sie fest!

Wieder runter vom Schiff hat Kind A dann erst mal kräftig die Schnauze (und auch alles andere) voll und die Mama (und zugegebenermaßen auch der Papa) pflücken kleine Wienerle-Scheiben (appetitlich angerichtet neben Weintraubenhälften) vom Schoß des Kindes, vom Kuscheltier, vom Boden des Neuwagens,… Ihr kennt das. (Die Wienerle bestehen übrigens – OBWOHL sie von Leo Lausemaus sind, was ja erst mal total süß klingt, aus TOTEM GEFLÜGEL, was die Mama – wie alles andere an toten Tieren auch, verabscheut. Bemerkung am Rande.)

Gottseidank macht das Kind keine halben Sachen, denn so hat die Mama wenigstens was zu tun, während der Papa sich im Autohaus auf die Jagd nach der benötigten Unterschrift macht. Freundlicherweise kommt er zwischendrin alle 30 Minuten raus um zu sagen, dass es nicht mehr lange dauert.  Wir haben Geduld. Wir warten erst seit knapp drei Stunden auf unser Mittagessen und ebenso lange gehen wir ja auch „eh gleich“ eine Pizza essen.

Nachdem wir die Formalitäten geklärt haben, haben wir kurz nach vier – um halb sechs schließt der Zoll, der die Unterschrift erwartet. Noch massig Zeit also, um in Meersburg gemütlich einen Kaffee mit See- und Bergblick zu genießen und die Kinder zu füttern.  Genau 20 Minuten Zeit. Abzüglich der Parkplatzsuche. Also werden die Kinder auf den Schoß gepackt und der Löffel abwechselnd in den Eiskaffee und in die HIPP Spezialität „Schweizer Hörnli-Nudeln 3-Käse hoch“ gesteckt. Im Akkord  zwar, aber in aller Ruhe.  

Hätte die Mama auf dem Weg vom Parkplatz zum Seeblick nicht noch das Schnäppchen des Jahrhunderts getätigt (3 Taschen in 2 Minuten ergattert), würde sie dem Papa die nun folgende „energische“ Fahrweise noch viel übler nehmen als  Zwilling A, der diesmal besagte Hörnchen-Nudeln plus Erbsen und Reis, sowie Karottenwürfel (alles völlig unzerkaut und unverdaut) von sich gibt und sogar die vorderen Sitze und Papas Lederjacke erwischt.

Gut, dass es am Zoll ja gleich wieder eine Möglichkeit zum Umziehen und Waschen geben wird. Müssen ja eh bis 17.30 Uhr dort sein… Leider stehen wir so lange mitsamt unserer duftenden Fracht im Berufsverkehr- und In-Deutschland- noch-schnell-was-Einkäufer- Stau, dass wir den Zoll um 17.31 Uhr erreichen. Naja, jetzt haben wir viel Zeit zum Erbsenzählen. Äh – einsammeln…

Um den Tag doch noch mit „was Schönem“ zu beschließen (wenn wir schon keinen Erfolg bezüglich der Bürokratie verzeichnen können), fordert die Mama nun, nochmal zurück nach Deutschland zu fahren und sich eeeeeeeeendlich erfreulichem wie Spielplatz/Biergarten/Pizzeria zuzuwenden. Papa hat Schuldgefühle und lässt sich breitschlagen, den Kindern ist eh schon alles wurscht (der Magen von Kind A endgültig leer – also keine Bedrohung mehr) und es wird Folge geleistet.

Schwerer Fehler. Denn auf dem Weg zurück „die paar Meter nach Deutschland rein“ stehen wir ungefähr 45 Minuten und sehen, dass alle Wege retour (also wieder aus Konstanz – in das wir gerade einfahren – heraus ebenfalls DICHT sind und zwar kilometerweise).  Biergarten gibt’s eh keinen. Außerdem wird’s langsam kalt und dunkel, wir hatten noch kein Mittagessen, haben keine Ersatzkleidung mehr, keinen Handy Akku, keine Geduld, keinen Plan und auch sonst nix mehr.

Dann gibt uns der vermeintlich leere Magen von Kind A doch noch „den Rest“ und wir beschließen, dass der Ausflug nun endgültig zu Ende ist. (Auch aus Mangel an einer dritten Garnitur Ersatz-Kleidung) Auf dem Heimweg meldet sich nun Kind B angesichts der olfaktorischen Umgebung in zehn-sekündigen Abstand mit einem kläglichen „Mama-Mama-Mama“, „Mama-Mama-Mama“, „Mama-Mama-Mama“. (Erinnert uns sehr an „Penny? Knock, knock. Penny? Knock, Knock. Penny?“ Gut, dass es nur noch 65 Kilometer sind. Wie viel sind 65km geteilt durch 10 Sekunden??? AHHHHHH…

Zuhause wird beim Ausladen vom verzweifelten Kind B dann klar, dass es sich in höchster (See-) Not befand, und das Wasser (aus drei leergetrunkenen Teeflaschen) buchstäblich bis zum Hals stehen hatte. Die Allerärmste.

Papa und Mama vergnügen sich zum Abschluss des gelungenen Tages dann noch bis Mitternacht damit, Speisereste aus Auto, Kindersitz & Co zu kratzen, vor der (kaputten) Waschmaschine zu sinnieren (Kommentar des zufällig vorbeischauenden Nachbarn: „Ist euer Fernseher kaputt?“) und viele weitere lustige Tagestouren zu planen. Und wenn sie nicht geschieden sind, dann putzen sie noch heute…