Dienstag, 12. Mai 2015

Aufklärungsunterricht


Neulich belauschte ich meine Oma – also die Uroma der Zwillinge – wie sie mit Mäusezähnchen 1 & 2 diverse Zeitschriften durchblätterte.

Die beiden Lockenköpfchen hatten sich neugierig vor ihrem Sessel aufgebaut, wie zur Abhaltung eines gnadenlosen Kreuzverhöres, es gab kein Entkommen für Oma.

Wild gestikulierten und fuchtelten sie mit ausgestreckten Zeigefingerchen und großen Augen in Großmutters Gartenmagazin herum:

„Da?!!“
„Da?“
„Da!“
„Da??
„Da!??“

Meine Oma stand den Dreikäsehochs geduldig Rede und Antwort, was sich ungefähr folgendermaßen darstellte:

„Das? Ja, das ist ein kleiner Teich. Schaut. Mit Fischen. Die schwimmen dort.“
„Da? Stimmt. Das ist ein Baum. Seht ihr? Mit einer Leiter. Da kann man hinaufsteigen.“
„Das? Das ist ein Korb. Mit Äpfeln. Hm, gute Äpfel. Mögt ihr Äpfel?“
„Und das da sind Blumen. Schöne Blumen. Tulpen.“

„Das? Das da? Ja….Hmmmm, ähh. Das ist ein ATOMPILZ.“

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es gut, wenn man schon zu den Kleinsten so ehrlich wie möglich ist. Dennoch konnte ich eine gewisse Irritation meinerseits aufgrund der unfreiwilligen Überraschungskomik meiner Großmutter ihrerseits nicht leugnen.

Ist es unter Umständen tatsächlich wichtig, 15 Monate alte Wonneproppen über die Entstehung eines Atompilzes aufzuklären?
Sollte ich die Mädchen über die Existenz, Bedeutung und Gefahren der Nuklearenergie in Kenntnis setzen? Damit sie eben auch verstehen können, was die liebe Uroma ihnen auf den lustigen bunten Bildchen so alles zeigt?

Oder ist es doch noch zu früh? Reicht es vielleicht auch, wenn wir uns der Atomkraft erst widmen sobald die Mäusezähnchen in den Kindergarten kommen? Ich möchte ja auch nicht, dass sie sich zu früh ihre süßen Köpfchen mit so unschönen Dingen zermartern und am Ende deshalb Albträume haben oder ein Trauma davontragen.

Fragen über Fragen. Erziehung ist so ein weites Feld. Und wie man es macht, macht man es falsch. Was würde die Super Nanny diesbezüglich raten? Und Google? Die Sendung mit der Maus? Ja, genau – bestimmt gibt es eine entsprechende Folge dazu:
„Lach- und Sachgeschichten heute mit Armin und Johanna, einem Leibchen, einem Pullover im Kochtopf, 6,6 Gramm Fleisch, einem Stück Holz im Schulranzen, einem ATOMPILZ und natürlich mit der Maus und dem Elefanten.“

Mich lässt das Thema nicht mehr los. Ich surfe weiter im Internet. Ich sehe mir die physikalischen Experimentierkästen bei Amazon an. Haufenweise Elektronisches gibt es da...
„Stromgenerator basteln.“ „Mit Luftdruck und Wasser experimentieren.“ „Mit Magneten spielen.“ „V8-Motor selbst bauen.“ Irgendwie ist nichts für meine Zielgruppe (Alter: 1-2 Jahre) dabei. Und erst recht nichts zum Thema Atompilz. Dann ist das wohl doch noch nicht an der Zeit, jedenfalls wenn ich das richtig deute. Oder sind Atompilze zurzeit einfach gar nicht angesagt bei den Kindern?

Es kann doch nicht sein, dass es LEGAL und käuflich zu erwerben ein Set inklusive Anleitung gibt, um den Tyrannosaurus Rex wiederauferstehen zu lassen, nicht aber einen winzig kleinen, süßen Atompilz fürs Reagenzglas zu Hause. Ich denke, dass das wirklich eine Marktlücke sein könnte. Ich werde mich auf jeden Fall EINGEHEND damit beschäftigen, sobald ich mal Zeit dafür habe.

Jetzt muss ich erst mal den Mäusezähnchen den Unterschied zwischen Schaumfestiger und Philadelphia erklären. Funktioniert ähnlich, stinkt aber im zweiten Fall nach wenigen Stunden gotterbärmlich.
Um zum Abschluss nochmal die Maus zu zitieren: "Klingt komisch, ist aber so.“