Freitag, 15. Mai 2015

Body Up - Move your lazy Luxushintern!


Test. Test. Test.
Dies ist ein Experiment. Gleich in mehrfacher Hinsicht. Zur Erläuterung: Ich schreibe bzw. spreche dies während ich trainiere. Ja – ich trainiere.
(Wow – wie gut das klingt!) Ich cross-trainiere.
Allein dies wäre schon Anlass genug zur Sorge, kommt es doch nicht allzu häufig vor in den vergangenen Monaten. Generell bin ich kein Sportsfreund und derzeit bin ich zudem auch noch richtig schlecht in Form.

Seit die beiden besten Mädchen der Welt das Licht derselben erblickt haben (bzw. schon einige Monate der Kugelgrippen-Zeit zuvor) dauert dieser bedauerliche Zustand nun schon an.
Ich fühle mich wie ein altes Schiffswrack – kaputt und der unaufhaltsamen, langsamen Zersetzung geweiht. Ohne dies natürlich (aus eigener Erfahrung) überhaupt beurteilen zu können, pflege ich (seit mich die Mutterfreuden gleich doppelt ereilt haben) auf die Frage nach meinem werten Befinden zu antworten: „Ich fühle mich wie 90 Jahre und 150 kg - mindestens.“

90 Jahre… Ich war nie gut in Mathematik (ich verachte sie sogar!), aber ich schätze (nachdem ich erst kürzlich zum 5. Mal 29. Geburtstag gefeiert habe), dass das ungefähr dem Dreifachen meines biologischen Alters entspricht. Und das Gewicht? Ich muss kurz überlegen! 150 kg geteilt durch ..., Mist das geht nicht auf - naja: Sagen wir irrelevant! Zuviel eben. Leider wirklich.

Übrigens: Wenn ihr Süßen wüsstet, was dieses !°)&$&%§$§“!`*Handy, welches ich ebenfalls erst kürzlich (zum 29. Geburtstag) vom besten Ehemann der Welt erhalten habe, für einen abgrundtiefen Blödsinn verzapft (zur Erinnerung: Ich trainiere und diktiere, das Handy soll nur mitschreiben), dann würdet ihr euch kaputt lachen. Und das verbrennt ja bekanntlich reichlich Kalorien. Vermutlich sogar wesentlich mehr als ich hier mit meinem mühseligen und verzweifelten Gestrample und Geschnaufe.

Ich habe bereits 5 Minuten geschafft und muss mir mal eben selbst auf die Schulter klopfen für meine Tapferkeit und mein Durchhaltevermögen. *klopf, klopf, klopf*

Wo war ich stehengeblieben? Ach, ja – der Test. Ich probiere also aus, wie es ist, mich nach „Mami-Feierabend“ (ja, ich weiß – eine Mutter hat nie Feierabend, aber hoffen darf man ja wohl noch?) noch zusätzlich ein wenig sportlich zu betätigen. Obwohl ich ehrlich gesagt, NICHTS lieber tun würde, als mich aufs Sofa/respektive ins Bett plumpsen zu lassen, Rotwein oder Prosecco zu schlürfen und Schoggi zu naschen.

Ich bin ja so was von erschöpft (eine Runde Mitleid mit dem armen, kranken Muttertier, bitte!) – wie man hier sagt: „Nudelfertig“! Und das jeden einzelnen, verdammten Abend (spätestens abends) seit 15 Monaten plus 7,5 Monaten Kugelgrippe. Sprich: Ich habe mich seit fast 2 Jahren nicht mehr fit gefühlt. Naja, das ist unfair: Zwischen dem vierten und fünften Schwangerschaftsmonat habe ich mich mal für 10 Tage unbesiegbar gefühlt. Das ist genau das Intervall, in dem man angeblich „Bäume ausreißen“ kann. (Ganz, ganz kleine vielleicht… Bonsai-Bäumchen aus dem Töpfchen oder so).

Also ungefähr in der Periode zwischen dem endlosen Kloschüssel-Marathon und dem Zeitpunkt, als es begann (zu) eng zu werden im Bauch. Und zwar für alle Beteiligten. Für die Goldmädchen (habe ich mir sagen lassen und konnte ich auch unschwer im US erkennen), als auch für meine Lunge, meine Blase, meinen Magen, meine Nieren und meine Rippen (*kracks*).

Ich habe mich schon wieder verfranzt. Zurück zum Test. Also: Ein Test für meine Fitness. Ich habe bisher mein Bestes gegeben (*klopf, klopf, klopf*) Ein Test für mein neues Handy. (Wie ich aus dem verschwitzten Augenwinkel unschwer erkennen kann, muss sich dieses erst noch mit seiner neuen Aufgabe anfreunden…) Ein Test für die moderne Technik und die virtuelle Infrastruktur. Im Gegensatz zu mir (ich strample emsig) hat sich das Internet und damit auch google.de, das ich für mein Diktat zwingend benötige, zwischendrin zweimal kurz verabschiedet und mich einfach ins Leere sprechen bzw. eher keuchen lassen. Das miese Schwein.

Eine weitere Komponente des technischen Tests liegt darin, festzustellen, wie der Touchscreen auf meine feuchtgeschwitzten Finger reagiert. In der Regel ja sehr viel besser, als auf eiskalte, trockene Hände (siehe Winter), aber zu viel des Guten ist selten gut (siehe Regen oder auch Badewanne). Wo ich nebenbei bemerkt im Augenblick lieber wäre. Sowohl als auch. Regen wäre sogar eine sehr feine Sache, mir wird nämlich grade irrsinnig heiß, obwohl die meisten unter euch mein „Training“ bestimmt als Sonntagsspaziergang für gehbehinderte Senioren bezeichnen würden. Und das zu Recht!

Nicht zuletzt ein Test für mein Gehirn. Wie es bei dieser hohen Betriebstemperatur „arbeitet“. Ob es noch sinnvolle, zusammenhängende Sätze bilden kann, während der Körper sich verausgabt. Beim Thema bleibt. Sprachgewandt und findig ist. Kurzer Blick über das, was das Handy da fabriziert hat: Sieht schlecht aus mit dem Gehirn… Patient kurz vorm Exitus. Mein Beileid schon mal für alle Fälle!

Wie kann man eigentlich um alles in der Welt so außer Form geraten, wenn man einen Alltag und Tagesablauf wie den meinen genießt? Ist das eine paradoxe Reaktion oder wieder irgendeine andere hinterhältige Gemeinheit der Natur? Ich trage, hebe und stemme 12h/Tag zwei menschliche Hanteln von 11 Kilogramm Gewicht. Ich schiebe täglich zwischen 60 und 180 Minuten lang eine Zwillingskutsche von (mit der wertvollen Fracht beladen) ca 30 kg durch die hügelige Landschaft. Wenn das kein Kardioprogramm ist?

Ich mache jeden Tag stundenlange Mutter-Kinder-Gymnastik auf dem Krabbelteppich und muss meine eigenen Massen dabei sicher 50 Mal am Tag von der Waagrechten in die totale Senkrechte erheben. Ich sprinte hinter den Mädchen her, die waghalsig die Treppe erklimmen, um den Nachbarn im ersten Stock zu besuchen (ein Spielkamerad von ihnen). Mama-Schock-Sprint nenne ich das.

Mehrmals täglich muss ich Essensreste und anderen Hausrat vom Boden aufheben, mich sicher an die 500 Mal bücken (Kniebeugen-artig) – nach „Feierabend“ bin ich regelmäßig bis zu 90 Minuten mit Spielzeug einsammeln (sprich auf dem Boden herum robben und in die Kisten werfen) beschäftigt. Noch nie hatte ich einen so aktiven und körperlich anstrengenden Alltag wie jetzt. (Als Büromäuschen, das zu alledem noch mit Bus und Bahn unterwegs war, hatte ich zum Beispiel nicht annähernd so viel und so vielfältige Bewegung.)

Woran zum Teufel liegt es also, dass ich noch nicht längst ein Strich in der Landschaft bin, sondern im Gegenteil eher die Tendenz zur kontinuierlichen Expansion beobachten kann?

Und bin ich eigentlich hirnamputiert, mich nach so einem krassen Tag auch noch auf ein Fitnessgerät zu quälen? Masochistisch? Autoaggressiv? Todessehnsüchtig? Wie wäre es stattdessen mit autogenem Training oder einer schönen duftenden Badewanne zur Entspannung? Ja, ich hätte nichts dagegen!

Wir sind mittlerweile bei 20 Minuten und 134 verbrannten Kalorien angelangt, liebe Sportsfreunde. Die 134 Kalorien (wenn man dem Gerät und der modernen Technik überhaupt Glauben schenken darf – mit Blick auf das, was mein Handy parallel hierzu fabriziert, fällt mir das schwer) habe ich mit einem halben Gläschen kühlen Weißweins und einem Esslöffel Hollandaise auf meinen Spargel nachher sofort wieder drin. Keine Sorge. (Und bestimmt werde ich mir mehr als ein halbes Glas und einen Esslöffel gönnen – muss mich ja schließlich für den harten Sport belohnen!)

Hach, ja – die Kalorien. Ihr wisst schon. Dieses fiese Ungeziefer, das nachts heimlich die Klamotten enger macht. Da liegt der Hase im Pfeffer. Seit ich so viel Stress habe – natürlich nur positiven, ich bin eine sehr glückliche Mutter – wie noch nie, sind die Schokolade und der Rotwein meine besten Freunde und Helfer geworden. Da bin ich eine ganz treue Seele. Manche Freundschaften sind mir eben heilig. So ein Ärger.

Zwei Stunden im Rückbildungs-Yoga bringen eben nicht so viel Entspannung wie 3-7 Kinderriegel und mein Tag (bzw. täglicher Wahnsinn) kann z. B. auch erst starten, nachdem ich mindestens ein Schaumkuss-Brötchen verdrückt habe. (Der Orginal-Markenname „Dickmann´s“ lässt die Folgen des häufigen Konsums ja nur schwerlich erahnen…) Was? Ihr findet das echt eklig? Ich finde es genial. Ich liebe Schaumkuss-Toast. Der Schaum und die Schokolade schmelzen so herrlich und alles wird unbeschreiblich fluffig und süß (ich wünschte, mein Leben wäre so!), ein Traum zum Hineinbeißen. Hineinlegen!

Der Traum endet dann spätestens eine Viertelstunde später auf der Waage. Und zum Trost müssen dann Veggi-Fanten her. Die mit dem grünen Ohr. Ihr kennt das. Oder wahrscheinlich eben nicht.
Ihr seid doch diese schlanken, sportlichen, agilen, hübschen, fitten und frischen Super-Mamis, derer ich überall ansichtig werde! Ahhhh, ich bin so neidisch auf euch! Wie macht ihr das?

So, ich habe 25 Minuten geschafft. Auf meinem Crosstrainer klebt ein Schildchen, ich möge bitte sofort das Training einstellen und einen Arzt konsultieren, sobald ich Anzeichen von Übelkeit und Schwindel verspüre. Übel war mir seit dem Zeitpunkt, als ich beschlossen habe, heute Sport zu machen. Und schwindlig ist mir eigentlich den ganzen Tag schon. Wie meistens. Vor Müdigkeit eben.

Die Tortur hat also bald ein Ende. Und ich habe die letzte halbe Stunde (ich runde mal großzügig auf) einen Haufen Schrott in mein Handy diktiert – woraus ich nachher, falls ich etwas davon entschlüsseln kann, einen weiteren fröhlichen Blogpost voller Banalitäten basteln kann und euch mit dem Eingestehen meiner eigenen Schwächen erfreuen. Denn automatisch werdet ihr euch sehr viel besser fühlen. Stärker. Total fit. Und so viel cooler. Und so diszipliniert. Und das dürft ihr ruhig. Das ist schon gut so. Wirklich! Es geht mir deswegen ja nicht schlechter. Gern geschehen. Bis zu nächsten Mal!

Und der Test? Ich weiß nicht. Sollte ich aufhören beim Trainieren zu diktieren? Sollte ich am besten ganz damit aufhören zu schreiben? Sollte ich gar den Sport beenden bevor er überhaupt begonnen hat?
Aber andererseits - es hat schon was, das Nützliche mit dem Praktischen zu verbinden. Die Arbeit mit dem Vergnügen. Wobei das Vergnügen für mich unter Garantie nicht der Sport ist.

Noch 30 Sekunden. Ich schwitze. Noch 5, 4, 3, 2, 1.

Na, also: Zumindest mein Crosstrainer sagt: „Great Job!“ Wenn das nichts ist?