Sonntag, 24. Mai 2015

Vorsicht Schlüpfrig!

Alles fing damit an, dass Mäusezähnchen 2 beim samstäglichen Supermarkteinkauf überraschend von einem unerträglichen Hungergefühl überwältigt wurde und kurzerhand (also im wahrsten Sinne des Wortes "kurzer Hand") hinter sich in den überfüllten Einkaufswagen griff und begann, das nächstbeste Lebensmittel zu verspeisen.
Das nächstbeste Lebensmittel war ein halbes Pfund Butter. Es schien zu munden. Als ich den kleinen verzweifelten Mundraub nämlich entdeckte, fehlte schon ein beachtliches Stück und das Kind war noch am Essen. Ihr wisst ja – an so einer Samstagsnachmittagsdiscounterkassenschlange gerät man schon mal in Hektik beim DieSachenSchnnelleraufsBandschmeißenalsdieKassiererineinscannt.

Wenigstens: Der gröbste Hunger war fürs Erste gestillt und mein gewiefter Versuch, die Butter an der Kasse noch umzutauschen: „Irgendwas stimmt nicht hiermit – sieht aus, als wären da wirklich ZAHNSPUREN dran, das ist doch total eklig sowas!!!“ war misslungen.

Z
uhause rächte sich die anders geartete „Fettsucht“ dann in Form von Montezumas Rache (Diarrhoe für die Mediziner unter euch, Flitzekacke für diejenigen, die lieber in Bildern denken – ich meine, wir haben uns verstanden?) Jedenfalls waren der Papa und die Mama mit Gasmasken, Schutzanzügen, Feuerwehrschlauch und Mäusezähnchen 2 hinreichend ausgelastet, um Mäusezähnchen 1 notgedrungen zu ignorieren, welches sich derweil mit den – noch nicht geleerten – Einkaufskörben bestens amüsierte.

Vieles von dem, was sie vorfand, war verständlicherweise genau nach ihrem Geschmack (die Mäusezähnchen sind immerhin MAMAS Augensternchen und die MAMA hat ja unter dem starken Einfluss ihres eigenen guten Geschmackes eingekauft, Papa hat wie immer "nur" bezahlt) und wie es der Zufall wollte, entdeckte sie zwei wunderschöne große Flaschen, schleimigen, violetten und duftenden Inhalts, die sich auch noch ganz leicht öffnen ließen.

Vielleicht hatten sie auch die schrillenden Alarmglocken in ihrem süßen Näschen dazu getrieben, ein olfaktorisches Kontra-Programm zu dem der Schwester zu starten – wer weiß das schon, das Kind (MZ 1) spricht ja noch nicht. Die Schwester (MZ 2) übrigens auch nicht. Die besten Kinder der Welt sind gerade einmal 15 Monate alt – für diejenigen unter euch, die heute zum ersten Mal von uns lesen. Wobei MZ 1 ganze 60 Sekunden älter, 15 mm größer und etliche Dezibel lauter ist als MZ 2.

Zunächst verteilte MZ 1 also das eben entdeckte, wunderbar wohlriechende, wunderschön lilafarbene Gel nur in ihren Händen. *klatsch, klatsch, klatsch*. Dann schüttete sie einen wohldosierten kleinen See auf den Flurboden und verstrich das schillernde Zauberliquid (bitte von Kindern fernhalten!) emsig in ihrem Radius (soweit die Ärmchen reichen) im Kreis und den Schuhschrank hinauf.

Dann dachte sie sich wohl: „ Ach, was soll´s - wo wir schon dabei sind…!“, goss die restlichen 600 Milliliter des spaßigen Schleims auch noch dazu und erweiterte ihren Wirkungskreis, indem sie nun bäuchlings (vielleicht war sie beim emsigen Verstreichen auch einfach ausgerutscht) in ihrem Schlafanzug nebst Schlafsack im Kreis wischte und dabei den „Seifen-Engel“ machte.
Ihr kennt doch diese schönen Figuren, die man im Tiefschnee auf dem Rücken liegend durch das Öffnen und Schließen von Armen und Beinen – ähnlich einer „Hampelmann-Bewegung“ („Engel“ klingt indes viel schöner) – durch die Spuren, die sich abdrücken, bilden kann?


Als die Mama durch den übermächtig werdenden Lavendelduft und die verdächtige Stille endlich auf das Geschehen aufmerksam wurde, schlitterte sie MZ 1 sodann eiligst und in bester Eiskunstlauf-Manier, einen spitzen Schrei ausstoßend, entgegen. Bis zu diesem Abend wusste die Mama auch noch gar nicht, dass sie einen formvollendeten Spagat auf der Eis-, pardon - Seifenfläche auszuführen, in der Lage war. Sie hat es aber getan! Dank der besten Kinder der Welt wächst die Mama einfach nahezu täglich über sich hinaus.


Und die Mama sollte sich in ihrer Genialität sogar noch selbst übertreffen. Sie holte nämlich unter (ganz winzig-kleinen, harmlosen) Flüchen (ohne Altersbeschränkung!) alle Putzlappen, die der Putzschrank hergab hervor und begann, wie eine Wilde (die sie war) unter Zuhilfenahme von warmem Wasser, das flächendeckende Kunstwerk zu bearbeiten. Ganz. Tolle. Idee. (Könnte von mir sein und war es auch…)
Wisst ihr eigentlich, was eine Schaumparty ist?
Ja genau, normalerweise findet sowas in Diskotheken und im Bikini statt. Wir hatten das gestern schon. Bei uns Zuhause. In voller Montur. Kniehoch. Die Mädels hatten ihren Spaß. Immerhin. (Ich hingegen überlege schon wieder, in Zukunft auf die verhasste und altmodische, weil unhygienische Seife am Stück umzusteigen…)