Freitag, 1. Mai 2015

Ich packe meinen Koffer…

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: mein Nuschi, meinen Nuggi, meinen Sandspieleimer, das Bobby Car und 20 Kilo Pampers…
Heute erkläre ich euch den Grund, warum es mir schon Wochen vor dem Urlaub vor dem tatsächlichen Abreise-Tag graust. Und zwar unbeschreiblich graust.

Es ist gar nicht mal das Packen an sich, das habe ich früher gerne gemacht.
Als ich noch allein oder mit meinem Freund (später dann Mann) in den Urlaub gefahren bin, war das alles kein Problem.
Man konnte dabei richtig schön die Vorfreude genießen und in aller Ruhe das zusammensuchen was man mitnehmen wollte in die Ferien. Manchmal habe ich schon Tage vorher überall in der Wohnung kleine Gepäck-Häufchen zusammengetragen – kleine Urlaubs-Inseln im Alltag, wenn man so will – Musik dabei gehört, vielleicht ein Glas Wein getrunken…


Heute – mit den Zwillingen im „Handgepäck“ gestaltet sich das Szenario etwas schwieriger. Es grenzt nahezu an einen logistischen und organisatorischen Wahnsinn (und führt nervlich auch an den Rande desselben), für uns Vier und für eine gute Woche Ferien alles Überlebensnotwendige zusammensammeln,
es sodann "tetris-mäßig" ins Auto zu schichten, innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne damit fertig zu werden (so, dass vom Tag noch ein klein wenig für die Fahrt übrig bleibt) und zu alledem den alltäglichen Betrieb (Kinder bei Laune halten, weitgehend die Aufsichtspflicht wahrnehmen, die  Verköstigungs- und Schlafenszeiten nicht komplett außer Acht lassen – rächt sich nämlich sonst gar schrecklich) parallel zum aktuellen Geschehen nicht allzu sehr zu vernachlässigen.

Packen bedeutet heute: Mama und Papa räumen ein (die Taschen) – Kinder räumen aus. Mama und Papa räumen auf (die Wohnung) – Kinder räumen raus. Mama und Papa versuchen sich zu sammeln, Kinder sind total aus dem Häuschen. Sie bekommen wohl mit, dass etwas Besonderes im Gange ist, verstehen aber nicht, worum es geht und schwanken deshalb zwischen Euphorie und Verzweiflung, wenn sie ihr gesamtes Hab und Gut in den Taschen verschwinden sehen und der Papa das zwanzigste Mal am gleichen Tag das Haus verlässt, nur um zwei Minuten später wieder "heimzukommen".

Und woran man alles denken muss! Nicht genug damit, dass das vom Schlafentzug und der ständigen Reizüberflutung in Mitleidenschaft gezogene Mutter-Hirn seit 14 Monaten vor jedem längeren Ausflug original vier (!) Seiten Merkblätter studieren muss – am besten alphabetisch von „A“ – wie Ausweise (übrigens 4 Personen, 3 Nationalitäten in unserem Fall) bis „Z“ – wie Zäpfchen, um einigermaßen sicher zu sein, das Nötigste für den Auslandsaufenthalt im Koffer zu haben, nein – die Mama muss sich deswegen auch noch ständig vom Papa anblöken lassen, wie verkrampft und kontrollsüchtig sie an die Sache rangeht.

Verkrampft und kontrollsüchtig ist die Mama, seit sie einige unschöne Erfahrungen bezüglich der Konsequenzen des unvollständigen Reisegepäcks gesammelt hat. Wie hört sich eine 6-stündige Autofahrt „mit ohne“ Nuggi an? Was, wenn man nur Cola und Kaffee im Proviantkorb hat? Was – wenn man auf der Autobahn erst den kompletten Wagen leerräumen muss, um an die Ersatzkleidung „ganz zu unterst vorne irgendwo“ ranzukommen? (Wo doch das Einräumen schon den halben Vormittag gedauert hat...) Wohin mit der ganzen versifften Kleidung, wenn man keine Rolle mit Mülltüten im Handschuhfach hat? Und wo zu Teufel sind die Feuchttücher und die Kinderlieder-CDs? Fragen über Fragen. Und sie stellen sich immer dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann!

Es ist ein Albtraum. Und der endet nicht etwa mit dem Zuziehen des Reißverschlusses an der Reisetasche oder mit dem Klicken des verschlossenen Kofferraumes. Nein, man möchte die Wohnung ja auch nicht in „dem“ Zustand hinterlassen. Mit der abgerollten Klo-Rolle, den Quietsche-Enten in der Toilette und dem umgekippten Schuhschrank könnte man sich vielleicht bei der Rückkehr noch arrangieren.

Was ist aber zum Beispiel mit dem Windeleimer – nach drei Tagen werden die Nachbarn von der Polizei die Wohnung aufbrechen lassen, weil sie vermuten, jemand wäre unbemerkt verschieden – der Gestank von Tod und Verwesung (nebst einigen Drosophila) dringt dezent durchs Schlüsselloch. Oder kommen die Fliegen vom Kaiserschmarrn mit Apfelmus, der noch an den Hochstühlchen der beiden Prinzessinnen klebt, sowie darunter noch verstreut ist?

Kein schönes Bild – ich weiß. Aber das meine ich damit, dass der „Betrieb“ bis zum Starten des Auto-Motors wie gewohnt parallel weiterläuft. In jeder Hinsicht. Und das war wie gesagt nur exemplarisch für vier Din A 4 Seiten "To Do´s" vor dem Aufbruch, bei denen einem, leider nicht nur bildlich gesprochen, bei jedem Schritt Steine (oder Klötze oder Teeflaschen) zwischen die Beine geworfen werden.

Es ist so ähnlich wie bei "Takeshis Castle". Früher fand ich das witzig.  Weil ich dachte, die Kandidaten seien ja selbst schuld, wenn sie sich freiwillig so einer Schikane unterziehen. Heute finde ich das nicht mehr so amüsant. Wer hätte das vermutet…

Heute gelten meine aller herzlichsten Beileids-Bekundungen nicht nur Schwangeren (ich fand – wie schon mehrfach erwähnt – rein gar nichts Schönes an der doppelten Kugelgrippe), sondern auch Familien, bei denen es bald in den Urlaub geht. Ihnen wünsche ich alle Kraft, alle Nerven und allen Humor der Welt, damit sie das Packen zumindest weitgehend ohne posttraumatische Belastungsstörung hinter sich bringen können.
Ich packe meinen Koffer und nehme mit: eine Packung Valium, eine Flasche Smirnoff, meine Koffeintabletten, die Super-Nanny und ein Bündel Nerven extrastark – für die ganze Familie…

PS: Für die mitfühlenden, zartbesaiteten Seelen unter euch, die sich jetzt vielleicht um uns sorgen: Wir sind unbeschadet und (bis auf einige gewohnte Zwischenfälle) ganz gut am Reiseziel angekommen und werden nun die Ferien in vollen Zügen genießen. Bis in neun Tagen.

Da geht es nämlich wieder ans Kofferpacken...